Spanische Telefonica schluckt Telecom Italia

Die Spanier erhöhen ihren Anteil an der italienischen Mutter der Telecom Italia von 46 auf 66 Prozent. Ein kompletter Aufkauf ist geplant.

Rom/Madrid/Mailand - Der spanische Telekomkonzern Telefonica will die Telecom Italia schlucken. Der Konzern erhöht seinen Anteil an Telecom Italia im Zuge einer Kapitalaufstockung im Wert von 323 Mio. Euro, bei der 1,09 Euro pro Aktien angeboten werden. Damit wird Telefonica ihren Anteil an der italienischen Muttergesellschaft der Telecom Italia Telco von 46 Prozent auf 66 Prozent erhöhen. Infolge einer zweiten Kapitalaufstockung in Höhe von 117 Mio. Euro soll Telefonica ihre Beteiligung an Telco auf 70 Prozent erhöhen, berichtete Telefonica in einer Presseaussendung am Dienstag.

Deal löst heftige Reaktionen aus

Ab 1. Jänner 2014 kann Telefonica das komplette Aktienpaket an Telco übernehmen. Telefonica muss jedoch noch das grüne Licht der Behörden in Brasilien und Argentinien erhalten, in denen Telecom Italia mit Tochtergesellschaften präsent ist. Telefonica einigte sich auf die Beteiligungserhöhung nach langwierigen Verhandlungen mit Generali, Intesa und Mediobanca. Diese sind ebenfalls an Telco beteiligt. Generali wird sich im Zuge der Operation spätestens bis Februar 2015 ganz aus Telco zurückziehen. „Wir sind über diese Einigung zufrieden. Sie steht im Einklang mit dem Ziel, unser Kapital zu stärken“, kommentierte Generalis Geschäftsführer Mario Greco.

Der Deal, mit dem Italiens ehemaliger Monopolist im Telefonbereich unter ausländische Kontrolle gerät, löste heftige Reaktionen in den politischen Kreisen in Rom aus. „Die Übernahme durch Telefonica gefährdet bis zu 16.000 Jobs“, klagte der Sprecher des Gewerkschaftsverbands CGIL, Michele Azzola. Mit Schulden in Höhe von 66,8 Mrd. Euro sei Telefonica nicht der richtige Partner, um Telecom Italia eine Zukunft zu sichern. „Telefonica will den italienischen Markt erobern und dabei Telecom Italia von Tim Brasil und Telecom Argentina trennen, um die Verschuldung abzubauen. Das verleiht der Telecom Italia keine Zukunftsperspektiven“, kommentierte der Mitte-links-Parlamentarier Massimo Mucchetti.

„Den Preis werden die Konsumenten zahlen“

Auch im Mitte-rechts-Block um Ex-Premier Silvio Berlusconi stößt die geplante Übernahme des ehemaligen Telefonmonopolisten durch Telefonica auf Proteste. Der Fraktionschef von Berlusconis Partei „Volk der Freiheit“ (PdL), Renato Brunetta, rief die Regierung Letta auf, im Parlament zu berichten. Es sei besorgniserregend, dass immer mehr italienische Großunternehmen unter ausländische Kontrolle gelangen. Infolge der schweren Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre seien bereits unzählige italienische Konzerne von ausländischen Konkurrenten aufgekauft worden. Die Regierung Letta müsse sich dagegen wehren. Die Telecom Italia sei eine Gruppe von nationaler Relevanz, ihre italienische Identität müsse bewahrt werden.

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Auch italienische Konsumentenschutzverbände warnen vor der Übernahme der Telecom Italia durch die spanische Telefonica. „Die Spanier wollen die Telecom Italia zerstückeln und sie zu einem zweitrangigen Unternehmen degradieren. Den Preis dafür werden die italienischen Konsumenten zahlen“, protestierten die Konsumentenschutzverbände Adusbef und Federconsumatori. (APA)


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