Echte Freunde können auch Feinde haben

Ein ganzer Bezirk dient gerade als Filmkulisse. Sogar der Obmann der Reuttener Kaufleute rast mit rauchenden Reifen den Gaichtpass hinauf.

Von Helmut Mittermayr

Reutte –In den letzten Tagen ist es im Bezirk Reutte mehrfach zum Schusswaffengebrauch gekommen. Auch Blut wurde vergossen – ganz sprichwörtlich. Trotzdem zog die herbeigerufene Polizei vom Parkplatz der Zugspitzbahn in Ehrwald unverrichteter Dinge wieder ab. Den Schützen wurden sogar ihren Waffen zurückgegeben – die Requisiten waren ja notwendig, um die Dreharbeiten fortsetzen. Die echten Polizisten waren nur nicht rechtzeitig informiert worden, dass im Rahmen von Filmaufnahmen mit Pistolen herumgefuchtelt wird.

Der Innsbrucker Regisseur Manuel Degn (31) dreht im Außerfern gerade den Low-Budget-Film „Echte Freunde“. Eigentlich wollte er den Streifen im Raum Kitzbühel verwirklichen, fand aber im Nordwesten Tirols den idealtypischen Mafiapaten. Der Hüne, der jetzt sein Filmdebüt lieferte, bestand aber darauf, dass alle Szenen in seiner engeren Heimat aufgenommen werden – ansonsten sei er nicht zu haben. Der Bösewicht mit gutem Kern ist Bertl Fuchs, ein Reuttener Original und Securitymann.

Den actionreichen Film, in dem eine Frau aus Mafiakreisen auszusteigen versucht, durchzieht ein roter Faden – das Können und Milieu von Personenschützern. Nicht umsonst spielt auch Adem Dulas mit, der im echten Leben in Innsbruck erfolgreich eine professionelle Schule für Selbstverteidigung und Konfliktbewältigung betreibt und Securityfachleute für ganz Westösterreich ausbildet.

Die Crew der Schauspieler ist bunt gemixt. Tiroler Profis wie Yvonne Harder treffen auf Erst- und Einmaldarsteller wie etwa den Obmann der Reuttener Kaufmannschaft, Christian Senn. Der Reuttener konnte ebenfalls „verpflichtet“ werden und rast mit seinem hochmotorisierten Mercedes SLS AMG zigmale mit rauchenden Reifen durch die Kurven des Gaichtpasses.

Den Schauspielern wird alles abverlangt. So wird eine Verfolgungsszene in den Wasserlöchern der Stuibenfälle wiederholt und wiederholt und wiederholt – bei Wasser- und Außentemperaturen von weniger als 15 Grad Celsius. Der eiskalte Drehtag endet erst mit dem Zähneklappern und der totalen Erschöpfung der harten Burschen.

Auch Burgschenke und Sonnenhof in Grän kamen dieser Tage als Kulisse zu cineastischen Ehren. Noch mehrere Einstellungen müssen im Außerfern eingefangen werden, bis es zum finalen Feinschnitt kommt. Die Premierenvorstellung dürfte Ende Jänner/Anfang Februar 2014 im Metropolkino in Innsbruck über die Bühne gehen, weiß Degn, der bereits seinen neunten Film abdreht. Auch in Berlin, Wien und Füssen sollen die martialischen Verfolgungsszenen über die Leinwand flimmern.


Kommentieren


Schlagworte