Ein Geschäft mit drei Jeneweins

Knapp vor der Wahl gerät Stronach-Spitzenkandidat Jenewein unter Beschuss. Es geht um Grund und Boden und die Agrar Mieders.

Von Anita Heubacher

Mieders –Drei Kaufverträge, drei unterschiedliche Quadratmeterpreise in ein- und demselben Gewerbegebiet in Mieders. Den günstigsten Quadratmeterpreis erhielt im Jahr 2003 der heutige Spitzenkandidat des Team Stronach, Walter Jenewein. Bei 3990 m² Gewerbegrund um 231.978,60 netto habe sich Jenewein mindestens 55.301,40 Euro gespart. Die Unterlagen landeten in einem Kuvert ohne Absender in der Redaktion der TT. Wenige Tage vor der Nationalratswahl.

Verkauft hat das Grundstück die Agrargemeinschaft Mieders, deren Obmann Jeneweins Bruder ist. Die Verträge für alle Gewerbegründe machte ein weiteres Familienmitglied, der dritte Jenewein-Bruder, ein Rechtsanwalt. „Ich habe das Grundstück billiger bekommen, weil ich in den Hochwasserschutz investieren musste“, erklärt Walter Jenewein. Das Grundstück grenze an einen Bach, die nötige Stützmauer entlang der Grundgrenze habe 65.000 Euro gekostet, bestätigt Jeneweins Baumeister, Patrick Weber.

Der Obmann der Agrargemeinschaft, Gotthard Jenewein, erklärt die unterschiedlichen Quadratmeterpreise damit, dass zu unterschiedlichen Zeitpunkten gekauft wurde. Sein Bruder sei einer der Ersten gewesen, die gekauft hätten. Preis pro Quadratmeter ohne Mehrwertsteuer war 58,14 Euro im Jahr 2003. Drei Jahre später musste ein anderer Käufer 72 Euro pro Quadratmeter hinlegen. Das ist aus dem Kaufvertrag ersichtlich. Vergleicht man die beiden Quadratmeterpreise kommt die Differenz von 55.301,40 Euro heraus.

Eine dritte Erklärung, warum Walter Jenewein einen günstigen Preis bekam, hat der Kassier der Agrargemeinschaft, Wilhelm Schlögl, parat. „Wir wollten endlich eine Firma herbringen, die sich in dem Gewerbegebiet ansiedelt. Da waren wir um den Bruder des Obmannes froh.“ Um Freunderlwirtschaft handle es sich nicht. „Beim ersten Geschäft muss man mit dem Preis nachgeben. Das ist in der Wirtschaft so.“

Wer sehr wohl eine schiefe Optik bei dem Geschäft erkennt, ist der jetzige Bürgermeister im Dorf, Manfred Leitgeb. „In Mieders war der Grundstückskauf und Verkauf unter Brüdern ein Riesenthema“, meint er. Leitgeb ist seit 2008 im Amt. Sein Vorgänger als Bürgermeister und damals zuständig war sein Vater. Heute ist die Agrargemeinschaft Mieders unter Sachwalterschaft gestellt. „So ein Grundstücksverkauf könnte nicht mehr im Alleingang im Agrarausschuss beschlossen werden. Jetzt redet die Gemeinde mit“, sagt Bürgermeister Leitgeb.


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