Ermittler suchen Vorzugsstimmen

In Polling ermittelt der Verfassungsschutz. Landtagswahl-Stimmen gehen ab.

Von Reinhard Fellner

Polling, Innsbruck –Die Oberländer 952-Seelen-Gemeinde Polling führt als geradezu typisches Tiroler Dorf ein ruhiges Dasein.

Erstmals seit Erwähnung im Jahre 1653 interessiert sich nun jedoch der Verfassungsschutz für Polling – genaugenommen für dessen Wahlkommission bei den vergangenen Landtagswahlen.

War doch bei der Wiener Korruptionsstaatsanwaltschaft eine anonyme Anzeige eingetrudelt, wonach es in Polling mit der Auszählung von Vorzugsstimmen gehapert haben soll. Konkret soll dies den Vorwärts-Tirol-Bezirkslistenkandidaten Robert Greil betreffen. Waren für diesen von der Pollinger Wahlkommission doch gerade fünf Vorzugsstimmen gemeldet und protokolliert worden, obwohl nach bisherigen Ermittlungen wesentlich mehr Wähler für den Vorwärts-Kandidaten votiert haben sollten.

Mittlerweile behängt dazu bei der Staatsanwaltschaft Innsbruck ein vom Österreichischen Verfassungsschutz durchgeführtes Ermittlungsverfahren: „Es geht um den Verdacht des Amtsmissbrauchs und den Verdacht der Fälschung einer Wahl. Wir ermitteln vorerst gegen unbekannte Täter“, erklärte dazu Staatsanwalt Thomas Willam gestern gegenüber der Tiroler Tageszeitung.

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Nach einem ersten Besuch der ermittelnden Verfassungsschützer in der Gemeindestube, wird dort am Montag die gesamte Wahlkommission zu den Abläufen bei der Wahl genau befragt.

Vorwärts-Tirol-Klubdirektor Hansjörg Peer, der ja gleichzeitig auch Bürgermeister von Mutters ist, hat auf die Vorgänge ein scharfes Auge: „Unregelmäßigkeiten bei der Stimmzählung darf es einfach nicht geben. Nicht auszudenken, wenn sich das bei mehreren Gemeinden summiert.“

Für Pollings Bürgermeister und Wahlleiter Gottlieb Jäger ist der Fall gänzlich unerklärlich: „Seit 1998 mache ich das. Noch nie gab es irgendein Problem. Ich bin ja als Wahlleiter nicht selbst an der Zählung beteiligt, konnte jedoch auch nichts Auffälliges erkennen.“ Schließlich habe auch die Pollinger Vizebürgermeisterin gerade einmal 22 Vorzugsstimmen auf sich vereinen können. Jäger kann sich – wenn überhaupt – zum Fall nur einen Übertragungsfehler vorstellen: „Der Kandidat war ja zudem auf aussichtsloser Stelle. Für mich sind die Vorwürfe ein Rätsel!“


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