Hütten, Brotboxen und Salatbesteck

Holz liegt derzeit sowohl was sein Dasein als Baumaterial als auch die Verwendung fürs Interieur, für Möbel und Wohnaccessoires betrifft, ganz weit vorne, denn es gilt als ökologisch und nachhaltig.

Von Ursula Philadelphy

Innsbruck –Tatsächlich hat der Werkstoff Holz etwas Besonderes an sich, sorgt er doch für saubere Luft, ist nachhaltig und gilt schon längst als „Wunderbaustoff“ wie es Alfred Teischinger, Österreichs führender Holzwissenschafter, der „Mister Holz“ der Universität für Bodenkultur in Wien, einmal in einem Vortrag nannte. Für ihn ist der Baum eine Art Wertschöpfungswunder, denn im verarbeiteten Holz leben die Leistungsfähigkeit und die Intelligenz des natürlichen Rohstoffes weiter. Egal ob es sich um Dachstühle, Wände, Balkone oder Sessel, Stellagen oder Obstschalen handelt. Und die Fabrik, die das Grundmaterial produziert, ist der Wald. Er „bindet das Treibhausgas CO2 und wandelt es mit Hilfe des Sonnenlichts in Kohlenstoff und Sauerstoff um“. Ersterer „dient dem organischen Aufbau des Baumes und wird im Holz gespeichert“, weiß man auch bei pro:Holz, und der Sauerstoff wird an die Umwelt abgegeben.

Wer also auf ein Salatbesteck aus Holz setzt, oder auf Obstschalen aus Holz, wer einen Esstisch aus (heimischem) Holz hat und auf ebensolchen Sesseln sitzt, tut doppelt Gutes für unsere Umwelt. Denn jeder genutzte Baumstamm aus unseren Wäldern wird nachgesetzt und somit fängt der Kreislauf wieder von vorne an.

Es ist also aktiver Klimaschutz, wenn man ein Haus aus Holz errichtet, denn selbst im verbauten Zustand werden die positiven Lebenszyklusanalysen für das Material Holz schlagend. Dabei werden die Treibhausgasemissionen eines Gebäudes von der Errichtung über die Instandhaltung bis zum Rückbau und zur Entsorgung betrachtet und man kam zu dem Ergebnis, „dass pro Kilogramm eingesetztem Holz 1,76 Kilogramm CO2 eingespart werden können“. Dazu kommt noch, dass die für das Gebäude verwendete Menge Holz im Laufe der Lebenszeit des Gebäudes im Wald wieder nachwächst und die Atmosphäre parallel zum Gebäude zusätzlich entlastet.

Das Architekturbüro Dietrich/Untertrifaller hat eine enge Verbindung zum Baustoff Holz, wie Helmut Dietrich etwa anlässlich eines Vortrages über die Dimensionen des Holzbaus referierte. Der materialgerechte Einsatz von Holz sei wichtig und an Beispielen in der Schweiz sehe man, so Dietrich, dass der Holzbau „das Bauen revolutionieren und alle Grenzen sprengen kann“. Allerdings hat die Schweiz eine andere Baugesetzgebung, wodurch Holzgebäude mit acht Geschoßen gang und gäbe sind.

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

Holz ist inzwischen aus unserem Lebensraum nicht mehr wegzudenken und die Mehrheit der internationalen Designer hat auch Entwürfe aus diesem Material im Talon. Der warme, heimelige Aspekt, gepaart mit einem hohen Maß an Gediegenheit punktet, aber auch ausgefallene Entwürfe haben ihren Charme. Bei Rolf Benz etwa gibt es Extravagantes aus Nussholz, Anton Mohr hat eine sehr gefinkelte Kommode aus Kirschholz entworfen und die Haushaltsaccessoires des Südtiroler Lebensmittel-Labels „Pur Südtirol“ stehen auf Kastanien- und Apfelholz sowie Akazie oder Ulmenholz. Man setzt auf Traditionelles, will eben Südtirol pur. Hinter dieser Linie und der gesamten Idee, die in der Hauptsache allerdings ein heimisches Delikatessenprojekt ist, stehen Günther Hölzl und Ulrich Wallnöfer, die nach den ersten Erfolgen in Meran auch in Bruneck eine Filiale errichtet haben. Der Weg zu nachhaltigen Kochlöffeln ist also nicht besonders weit.

Die beliebtesten Hölzer, wenn es um das Thema Einrichten geht, sind übrigens Buche, Nuss, Eiche, Erle und Esche. Buchenholz ist feinporig, mit gleichmäßiger Struktur, sehr hart und schwer und ideal für den Möbel-, aber auch den Innenausbau. Bei Nuss findet man sowohl die helle europäische Nuss als auch ihr dunkles amerikanisches Pendant. Eiche gilt als hart und schwer und ist aktuell meist in dunklen Varianten zu finden. Als Kontrast dazu ist die Erle ein leichtes Holz mit ebenmäßiger Struktur. Wenn man von den heimischen Hölzern absieht, dann ist im Moment das außergewöhnlichste Holz wohl das aus den Sümpfen in Neuseeland stammende Kauriholz, wie es bei Riva unter anderem für Tische verarbeitet wird. Dieses Holz ist bis zu 50.000 Jahre im Moor gelegen und wurde durch den Sauerstoffmangel in diesen Böden erhalten. Der absolute Charme von Kauriholz liegt in seiner Unregelmäßigkeit, in den Rissen und Schrunden, denen bei der Verarbeitung Raum gegeben wird. Die Lebendigkeit der Natur wird hier überdeutlich und zeigt den wunderbar haptischen Charakter des Werkstoffes Holz.


Kommentieren


Schlagworte