Neuer Intendant Hinterhäuser plant „Redimensionierung“

Markus Hinterhäuser wurde am Mittwoch für vier Jahre zum Intendanten der Salzburger Festspiele für 2017-21 bestellt. Der Vertrag mit Präsidentin Rabl-Stadler wurde um drei Jahre verlängert.

Salzburg - Die Salzburger Festspiele haben die Weichen für die Jahre nach Intendant Alexander Pereira gestellt: Das Kuratorium hat am Mittwoch wie allseits erwartet Markus Hinterhäuser zum Intendanten für die Jahre 2017 bis 2021 bestellt. Der Vertrag mit Langzeit-Präsidentin Helga Rabl-Stadler wurde um weitere drei Jahre bis 2017 verlängert.

Dass sich das Kuratorium rasch einig werden sollte, war schon zu Beginn der Sitzung klar, wurde doch der Termin für die anschließende Pressekonferenz kurzfristig um eine Stunde vorverlegt. Markus Hinterhäuser, der bereits 2011 den Salzburger Intendantenposten bekleidet hatte und bis 2016 Intendant der Wiener Festwochen ist, war nach diversen Äußerungen aus Kuratoriumskreisen schon als Favorit an den Start gegangen.

Hinterhäuser war die Freude über seine Bestellung zum Intendanten der Salzburger Festspiele heute anzusehen. „Es ist ein schöner und bewegender Moment für mich“, sagte er am Beginn der Pressekonferenz nach der Kuratoriumssitzung am Mittwochnachmittag. „Es ist eine große und wichtige Aufgabe für mich, weil ich die Salzburger Festspiele wirklich mag, weil ich sehr an den Festspielen hänge. Vieles in meinem Leben ist durch meine Zeit bei den Festspielen beeinflusst und bestimmt. Es gibt nichts in meinem Leben, das ohne Salzburg passiert wäre.“

Einen Fünf-Jahres-Plan könne er noch nicht präsentieren, dazu sei eine „profunde und kluge Analyse“ über die Entwicklungen der vergangenen Jahre erforderlich, etwa über die finanziellen Belange und das Kartenangebot, sagte Hinterhäuser. „Es wird weniger werden“, sprach er sich für eine „Redimensionierung“ der Festspiele aus. Nicht die Qualität solle eingeschränkt werden, sondern die Quantität. Und er werde seine Handschrift, die man ja kenne, nicht grundlegend ändern.

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Die angekündigte Bestandsaufnahme sei auch wichtig für die Jahre 2015 und 2016, in denen die Festspiele nach dem Abgang von Pereira von Schauspielchef Sven-Eric Bechtolf und Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler interimistisch geleitet werden, sagte Hinterhäuser. Er bot den beiden seine „freundschaftliche“ Unterstützung an, er werde aber nicht störend eingreifen. Eine Überlappung mit seiner Funktion als Intendant der Wiener Festwochen hält er „als sehr überschaubar“.

Hinterhäusers Vertrag bei den Salzburger Festspielen läuft von 1. Oktober 2016 bis 30. September 2021. Ein Vertrag über seine Vorbereitungszeit sei bisher nicht geschlossen worden, sagte Andrea Ecker, die Vorsitzende des Kuratoriums.

Wilfried Haslauer (ÖVP), Salzburger Landeshauptmann und Kuratoriumsmitglied, denkt schon an eine Zusammenarbeit mit „dem Wunschkandidaten Hinterhäuser“ über den befristeten Fünf-Jahres-Vertrag hinaus. „Er hat eine eindrucksvolle Bewerbung hingelegt. Wichtig ist, dass wir eine langfristige Perspektive haben.“ Die Festspiele bräuchten einen stabilen Weg in die Zukunft, künstlerisch wie finanziell. „Wir haben in diesem Jahr - in einer brillanten Saison - die Grenzen des Machbaren überschritten“, sagte Haslauer. „Das Erfolgsgeheimnis heißt Qualität und ein vernünftiges Maß, dann werden die Zahlen stimmen.“ Ob heuer rote Zahlen geschrieben werden, stehe erst im November fest.

Über sein Konzept verriet Hinterhäuser nur soviel: Er beabsichtigt eine „profunde Auseinandersetzung mit Mozart“, die mit Mut zu tun habe und über die festgeschriebene Form hinausgehe. Das Schauspiel brauche eine genaue Identität, er habe auch schon einige Persönlichkeiten für die Position des Schauspieldirektors im Kopf, Namen nannte Hinterhäuser noch keine. Jedenfalls will er die Felsenreitschule für das Schauspiel öffnen. Er bekannte sich als ein „Anhänger von Wiederaufnahmen“: Änderungen der Inszenierung würden den künstlerischen Prozess weiterentwickeln, was auch dem Publikum gegenüber wichtig sei, zudem würde der Kostenrahmen nicht aus den Fugen geraten.

Die Idee von Noch-Intendant Alexander Pereira, mit einer einwöchigen Ouverture spirituell die Salzburger Festspiele zu beginnen, habe ihm gefallen, sagte Hinterhäuser. Er könne sich „dreieinhalb kostbare Tage“ vorstellen, die in einem ideologischen Zusammenhang in die Eröffnungspremiere einer Oper führten. Durchblicken ließ Hinterhäuser auch, dass sein Programm eine „deutlich stärkere, inhaltliche und dramaturgische Vernetzung“ der drei Sparten Oper, Schauspiel und Konzert „mit einer starken Erzählung“ beinhalten wird. Ob der Festspielball, den Pereira initiiert hatte, unter seiner Ägide weitergeführt wird, ließ Hinterhäuser offen. Er habe andere Prioritäten, sagte er.

Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) gratulierte Helga Rabl-Stadler und Markus Hinterhäuser. Damit seien zwei Entscheidungen getroffen worden, „die für die Zukunft der Salzburger Festspiele Kontinuität, professionelle Arbeit und höchste künstlerische Qualität erwarten lassen“. (APA)


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