Vermittler zur Welt der Sprache

Die Internationalisierung der Wirtschaft und des Tourismus machen Jobs als Übersetzer und Dolmetscher zu einer interessanten und vielfältigen Berufswahl.

Von Ernst Spreng

Hall, Innsbruck –Sprache hat sehr viel mit Nuancen und Feinheiten zu tun. Übersetzen heißt, Bilder in den Köpfen des Lesers zu schaffen – und das mit dem Hintergrundwissen, wie die Wörter in den verschiedenen Sprachen eingesetzt werden. Derzeit weißt die Berufsgruppe der Sprachdienstleister – so die offizielle Bezeichnung – in Tirol rund 140 Mitgliedsbetriebe aus. Die Branche ist klein strukturiert. Meist handelt es sich um Ein-Personen-Unternehmen. Nur wenige Übersetzer in Westösterreich stoßen in den Bereich eines KMU vor und haben eigene Angestellte.

Dabei bietet das Übersetzungsgeschäft interessante Perspektiven. Denn die Fülle an Inhalten, die von Unternehmen in Industrie, Wirtschaft und Tourismus transportiert werden müssen, wächst weiter an. Vor allem die Social-Media-Kanäle, Web­inhalte und Ähnliches lassen den Bedarf ständig steigen. Das drückt sich auch in den weltweiten Zahlen aus: Im vergangenen Jahr wurde weltweit im Übersetzungsgeschäft ein Umsatz von rund 32 Milliarden Euro generiert. 2011 gab es weltweit rund 25.000 Unternehmen, die mit Übersetzungen und Dolmetschen ihr Geld verdienen. Die wirklich großen Übersetzungsbüros verfügen dabei über Mitarbeiter im vierstelligen Bereich.

Dieser internationale Überblick hat im Bereich der Sprachdienstleistungen durchaus seine Berechtigung, denn es ist ein internationales Geschäft. „Als Übersetzer befindest du dich in einem weltweiten Konkurrenzfeld, denn es ist heute kein Problem, einen Text irgendwohin zu verschicken und ihn übersetzen zu lassen“, erklärt Hermann Covi, Berufsgruppensprecher der Sprachdienstleister in Tirol. Noch einen internationalen Gedanken fügt Covi hinzu. „Eigentlich geht es in unserem Beruf ja darum, dass ich eine fremde Sprache in meine Muttersprache übersetze“, meint der Unternehmer. „Spinnt man diesen Gedanken weiter, müsste man mit der Muttersprache Deutsch im Ausland bzw. für ausländische Kunden arbeiten.“

Die Branche der Sprachdienstleister hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Der Trend geht weg von der reinen Übersetzungsleistung hin zu einem umfassenden „Projektmanagement Sprache“. Das heißt: Vom Angebot über die schnelle Übersetzung bis hin zu technischen Lösungen, das Übersetzte gleich in verschiedene Computerprogramme einfließen zu lassen bis hin zu Terminologiedatenbanken für Unternehmen ist der Job des Übersetzers – neben den sprachlichen Fähigkeiten auch die Mischung aus technischem Verständnis, langfristiger Qualitätssicherung im Sprachgebrauch und einer gewissen Spezialisierung. „Es gibt Menschen, die lieben technische Texte und andere mögen emotionale Texte lieber. Gute Übersetzer wissen, in welchem Bereich sie besser sind“, meint Hermann Covi.

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In Zusammenarbeit mit dem Institut für Translationswissenschaften der Universität Innsbruck hat das Haller Unternehmen Covi, Wurzer & Partner nun erstmals einen Praktikumsplatz geschaffen, der Studierenden kurz vor Ende des Studiums wertvolle Einblicke in den Alltag eines Sprachdienstleisters bietet. Der Ansatz dieses Praktikums ist, angehende Übersetzer an die praktischen Anforderungen eines modernen Sprachdienstleistungsunternehmens heranführen. „Handwerklich arbeiten Praktikanten bei uns auf internationalem Industrieniveau und mit modernen Übersetzungssystemen direkt an den Projekten unserer Kunden mit. So erhalten sie auch die Chance, ihre Kommunikationsfähigkeit beim Umgang mit Kunden und Zulieferern aus ganz Europa zu erproben“, erklärt Geschäftsführer Walter Wurzer.

In enger Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck wurde das Praktikum so konzipiert, dass es im Einklang mit dem Studienplan des Instituts für Translationswissenschaften steht. Daher wurde es auch möglich, dass das Praktikum den Studierenden für ihr Studium angerechnet wird. „Dieser neue Praktikumsplatz stellt für unsere Studierenden eine sehr gute Möglichkeit dar, einen umfassenden Einblick in die Arbeit eines Sprachdienstleistungsunternehmens zu erhalten“, betont Projekt­koordinatorin Vanessa Gampert von der Universität.

Die 25-jährige Innsbruckerin Daniela Denk war die erste Praktikantin bei den Sprachdienstleistern und konnte tiefe Einblicke in die Projekte des Haller Unternehmens gewinnen – unter anderem etwa in die Gestaltung von Pressetexten, Jahresberichten und Texten für den Online-Auftritt der Medizinischen Universität Innsbruck in englischer Sprache: Letzteres ein besonders anspruchsvolles Projekt, weil viele medizinische Fachthemen übersetzt werden mussten. Um hier den höchsten Ansprüchen gerecht werden zu können, greift das Haller Unternehmen auf das Know-how von Fachspezialisten in England zurück, mit denen seit vielen Jahren eine Partnerschaft gepflegt wird. Die Zusammenarbeit während des Praktikums hat sich übrigens so bewährt, dass die Studentin jetzt direkt beim Unternehmen in Hall anfangen kann.


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