Frauen klärten Staatssekretär über Sorgen des Alltags auf

Sebastian Kurz konferierte in Reutte mit Vertretern islamischer Vereine. Anteil der Nichtdeutschsprecher in Kindergärten beträgt 50 Prozent.

Von Helmut Mittermayr

Reutte –In Wahlzeiten schwärmen Minister und Staatssekretäre in die – aus Wiener Sicht – entlegensten Winkel des Landes aus. Sebastian Kurz, Staatssekretär für Integration im Innenministerium, nutzte seine dem Wahlkampf geschuldete Anwesenheit in Reutte auch gleich, um seinem ureigensten Geschäft nachzugehen – und konferierte Donnerstagvormittag mit Vertretern der beiden großen islamischen Vereine im Außerfern. In der Allgäuer Straße wurde er von ATIB-Obmann Üzeyir Karaman herzlich willkommen geheißen. Die „Türkisch Islamische Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit“ (ATIB) zählt in Reutte 350 aktive Vereinsmitglieder, darunter 90 Frauen. Zu dem Treffen war auch Süleyman Yagdi, der Obmann des Islamischen Kultur-, Religion- und Sportvereines – im Volksmund „Reuttes zweite Moschee“ genannt –, aus der Schulstraße hinzugekommen.

Integration ist in Reutte seit Jahren ein Thema, mit dem sich die Gemeindeführung intensiv auseinanderzusetzen hat. Der hohe Anteil an Zugereisten schlägt sich in allen Lebensbereichen nieder. In den aktuell neun Kindergartengruppen beträgt der Anteil der Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache immerhin 50 Prozent.

Viele Frauen nutzten gestern Vormittag die Gelegenheit, um dem Staatssekretär die Sorgen des Alltags zu schildern. So gebe es etwa gewisse negative Notenvergaben von Lehrern, die ihr Verhalten trotz mehrfacher Intervention von Müttern nicht ändern würden. Bemängelt wurde auch das Fehlen einer eigenen Beratungsstelle im Behördenumgang gerade für ältere, türkischstämmige Semester. Genau hier stellte sich Sebastian Kurz aber taub. „Wir reden doch auch hier von österreichischen Staatsbürgern.“ Das bestätigte Obmann Karaman. Kurz weiter: „Es braucht keine eigene Beratungsstelle. Die gibt es für niemanden im Land. Was es braucht, ist Spracherwerb.“ Er appellierte an alle, schon bei den Kleinsten darauf zu achten, dass dies gelinge. Gerade für Kindergarten und Vorschule unterstütze sein Ministerium finanziell zwei Projekte in Reutte.

Türkischstämmige Personen würden auch keine Arbeitsplätze in Bezirkshauptmannschaft, Krankenkasse, Finanzamt oder ähnlichen Institutionen bekleiden, wo sie weiterhelfen könnten, wurde bemängelt. Kurz erklärte sich spontan bereit, erneut nach Reutte zu kommen und beruflich erfolgreiche Personen mit Migrationshintergrund mitzubringen. Der gesellschaftliche Aufstieg solle so schmackhaft gemacht werden. Der Schlüssel zum Erfolg sei einzig der Spracherwerb.


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