Lehrer wollen sich vor Facebook schützen

Die Lehrergewerkschaft präsentierte einen Social-Media-Leitfaden. Ein Experte gibt jedoch andere Tipps.

Symbolfoto.
© REUTERS

Von Miriam Sulaiman

Innsbruck –So mancher Mobbingvorfall schreckte die Lehrergewerkschaften Deutschlands, Österreichs und der Schweiz auf. Sie entwickelten daraufhin einen Leitfaden, der nun präsentiert wurde. Der Vorsitzende der Pflichtschullehrergewerkschaft Paul Kimberger erklärt: „Wir wollen Lehrer und Schüler schützen. Es wurden Regeln für den Umgang entwickelt. Der Leitfaden soll aber ein reines Hilfsmittel darstellen.“ Die Lehrer sollten sich bewusst sein, welchen Gefahren sie ausgesetzt seien. Bei Fortbildungsveranstaltungen hätte es nämlich bereits so manches Aha-Erlebnis gegeben.

Überrascht von dem Leitfaden zeigten sich die Tiroler Gewerkschafter. Pflichtschullehrervertreter Walter Meixner hätte diesen gerne vor der Veröffentlichung besprochen. Sein Kollege Peter Spanblöchl sieht einen Leitfaden, der über 21 Seiten geht, zudem kritisch: „Wer liest ihn und wer hält sich daran?“ Natürlich sei man sich bewusst, dass viel verbale Gewalt in sozialen Netzwerken stattfinde. Viele Kollegen hätten aber gerade deswegen ein Facebook-Profil eingerichtet, um sich damit auseinanderzusetzen. Spanblöchl streicht auch die Vorteile des Netzwerks heraus: „So erhält man mehr Nähe zu den Schülern. Zu nah sollte der Umgang aber natürlich auch nicht sein.“ Es sei für ihn aber falsch, darüber zu diskutieren, ob es Facebook brauche oder nicht: „Facebook gehört einfach zum Lebensumfeld.“

Der Leitfaden zum Download:

http://go.tt.com/176wFbp

AHS-Gewerkschafter Karl Digruber sieht es ähnlich und kann mit dem Haupt-Vorschlag des Leitfadens wenig anfangen. Hier heißt es nämlich, Lehrer sollten ein privates und ein öffentliches Profil anlegen und sich nur über Letzteres mit Schülern vernetzen. „Auf Facebook verschwimmen die Grenzen zwischen Privatheit und Öffentlichkeit. Aber es ist gefährlich, sich eine Scheinexistenz aufzubauen und dieses Bild aufrechtzuerhalten“, meint Digruber. Eine gesunde Distanz dürfe man natürlich nicht vergessen, aber Facebook sei vergleichbar mit einer Feier oder einem Supermarkt, wo Schüler auf Lehrer treffe.

Social-Media-Experte Michael Praetorius gibt ihm Recht: „Bei zwei Profilen ist es unklar, was ist privat, was ist öffentlich.“ Das Problem werde nur verlagert. Zudem kann er sich kaum vorstellen, dass Lehrer auf dem einen Profil feiern und auf dem anderen als Oberstudienrat auftauchen. „Ich glaube, dass Lehrer auch lieber den persönlichen Kontakt halten wollen.“ Sie müssten aber genauso wie Jugendliche erst ihre „digitale Identität“ aufbauen und lernen, mit Privatsphäre-Einstellungen umzugehen. Ein Leitfaden sei zwar ein Anfang für ihn, komme gefühlt aber 10 Jahre zu spät. Sein Tipp für Lehrer: eine Online-Studie, in der mit den Schülern über Facebook auf Augenhöhe diskutiert wird.

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