Gruselig-entspannter Vorgeschmack auf die ewige Ruhe

Probeliegen in einem Sarg? Eine mit vielen Vorbehalten verbundene Vorstellung. In der Praxis laufen sich die Ängste schnell tot.

Von Christoph Mair

Innsbruck –Die schlimmsten Sekunden sind jene, in denen sich der Deckel senkt. Wie wird es sein, wenn er draufliegt? Dunkelheit und Totenstille? Nicht ganz. Dunkel ist es schon, doch der Umgebungslärm ist noch deutlich zu hören. Zudem ist die Liegeposition recht komfortabel. Das sind die ersten Erkenntnisse des Probeliegens in einem Holzsarg. Möglich war der Erkenntnisgewinn für die Ewigkeit am Samstag bei der Bestattung J. Neumair in Innsbruck.

Bei einem Tag der offenen Tür, oder besser des offenen Sargdeckels, gewährte sie Interessierten einen Einblick in das Innere des Bestattungsunternehmens. Das Ziel sei es, „Berührungsängste zu nehmen und irrationale Angstfantasien zu reduzieren“, fasst Christine Pernlochner-Kügler die gruftig anmutende Idee zusammen. Das Echo auf das Angebot habe sie selbst überrascht. Dass nicht alle Reaktionen positiv ausfallen, nimmt die Bestatterin zur Kenntnis.

Noch immer herrsche eine „komische Moral“ vor, dass man über den Tod nicht lachen und ihn ganz normal betrachten dürfe, findet die Bestatterin. Dabei sei Humor auch eine Bewältigungsstrategie, mit dem Sterben umzugehen. „Lustig heißt nicht respektlos.“ Ein leerer Sarg sei letztlich auch kein Heiligtum.

Dennoch nähern sich die Besucher dem offenen Sarg im Verabschiedungsraum mit großem Respekt. Die Einladung von Pernlochners Kollegen Markus Ploner, darin Platz zu nehmen, stößt zunächst auf dankende Ablehnung. Seine Kollegin versucht mit der Versicherung, dass in den vergangenen zehn Jahren niemand, der versuchsweise in diesem Sarg gelegen sei, gestorben sei, das Eis zu brechen.

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Krankenpflegeschülerinnen des AZW sind die Ersten, die sich trauen. Zunächst noch im offenen Sarg. Als Aufwärmrunde. Dann mit Deckel drauf.

„Es war halb so schlimm wie ich es mir vorgestellt habe“, berichtet Felicitas Wildauer von ihrem technischen Nahtoderlebnis. Für ihre Ausbildung zur Krankenschwester eine erste Erfahrung, „damit man besser mit dem Thema Tod umgehen kann. Wir sollten uns überhaupt mehr damit beschäftigen.“ Bei „Bestattung Backstage“, wie die Bestatter den Blick hinter die Kulissen nennen, zeigen sie Besuchern auch den Versorgungsraum, in dem die Toten für die Verabschiedung hergerichtet werden. Sie erklären Versorgungstechniken und beantworten Fragen und zeigen Särge, Urnen und Fahrzeuge.


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