Sprachenstreit an der Volksschule

Heftiger Protest von Eltern um türkischsprachigen Integrationsunterricht von Kindern an der Wörgler Volksschule. Der Stadtrat will klärendes Gespräch mit der Direktorin führen.

Von Wolfgang Otter

Wörgl –Wenn es um türkischen Sprachunterricht geht, wird es an der Volksschule Wörgl kompliziert. Zum einen wurde die Startsprachklasse durch einen Protest der Eltern der türkischsprachigen Kinder verhindert. Zum anderen sorgt nun der integrative Sprachunterricht an der Volksschule I für Aufregung. Ja, sogar bis in den Nationalrat hat es das Thema durch eine Anfrage zu diesem Thema durch FPÖ-NR Gemeinderätin Carmen Gartelgruber geschafft. Zentrale Frage dabei ist: „Müssen Kinder in der Wörgler Volksschule Türkisch lernen?“ (die TT berichtete).

Eine Frage, die aufgrund massiven Protests der (nicht türkischsprachigen, aber auch nicht nur deutschsprachigen) Eltern und einer Wortmeldung von GR Gartelgruber sogar in der jüngsten Sitzung des Wörgler Gemeinderats ihren Niederschlag fand. „Die Kinder müssen das nicht machen“, wusste Bürgermeisterin Hedi Wechner (SPÖ), die Gartelgruber vorwarf, „den Nationalratswahlkampf hier hereinzutragen“. Sie stellte auch klar, dass die „Stadt nur Schulerhalter ist und in diesen Dingen kein Mitspracherecht hat“. Trotzdem habe man nun die Direktorin Isabella Mölk zum Gespräch in den Stadtrat eingeladen.

Eltern hatten sich beschwert, dass in der integrativen Schulstunde auch Türkisch gesprochen wird, „und es keine Möglichkeit für die Kinder gibt, einen Alternativunterricht zu besuchen“, sagte Gartelgruber. Die Direktorin habe zwar beim Elternabend abstimmen lassen, aber der Anteil der Eltern von Schülern mit Migrationshintergrund habe den Überhang. „Da wird über Eltern drübergefahren“, will Gartelgruber wissen. Auch BM-Stv. Evelin Treichl (VP) räumte ein, „dass es etwas unglücklich gelaufen ist und es Missverständnisse gegeben hat. Die Direktorin hat beim Klassenabend mit ihrer Art der Integration keinen guten Dienst erwiesen“, meinte Treichl. Es sei auch nicht gut angekommen, dass die Startsprachklasse aufgrund der Proteste nicht stattfand, „aber in diesem Fall die Eltern nicht mitbestimmen können“. Integrationsreferent Christian Kovacevic (SPÖ) hingegen wies auf den Wert des integrativen und gesetzlich klar geregelten Sprachunterrichts hin und Christian Feiersinger (Team Wörgl) meinte, dass es ihn schon seit Jahren problemlos gebe.

„Der Unterricht findet natürlich in Deutsch statt, es gibt einen türkischsprachigen Stützlehrer, der den Kindern hilft. Es handelt sich nur um eine von 22 Stunden“, stellt VS-Direktorin Isabella Mölk klar und betont, wie wichtig diese Unterrichtsform für die sprachliche Entwicklung der Kinder sei. Dies habe sie auch in einem Elternbrief mitgeteilt. Noch eines berichtigt sie: „Es gibt keinen Alternativunterricht dazu.“ Eigentlich wollte sie das bereits fünf Jahre an der Schule bewährte Modell aufgrund der Proteste heuer gar nicht mehr durchführen. Aber andere Eltern hätten am Klassenabend der drei ersten Klassen die Abstimmung gewünscht. Das Ergebnis sei ganz klar gewesen: 40 stimmten mit Ja, sieben mit Nein, „und da waren auch viele deutschsprachige Eltern darunter“. Die Volksschule I sei eine Schule des Miteinanders, „wir haben akzeptiert, dass es verschiedene Sprachen gibt und versuchen sie einzubauen“.

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