Feuerwehr für die Studierenden

Probleme mit Zulassung, Gebühren und Zeugnis oder unklare Rechtslagen: Der Hochschulombudsmann hilft.

Von Elke Ruß

Wien, Innsbruck –Nach zwei Jahren hat ein Student noch immer kein Zeugnis, obwohl das Gesetz eine Monatsfrist setzt – und der Lehrbeauftragte ist längst nicht mehr an der Uni. Diesem verzweifelten Klienten konnte das Team um Hochschulombudsmann Josef Leidenfrost rasch helfen: „Wir haben den Lehrbeauftragten kontaktiert. Der Student hat das Zeugnis gekriegt und es war auch positiv.“ Viele Studenten in ähnlicher Lage hätten „Angst, wenn sie mit ihrem Anliegen kommen, dass sie einen Fleck kriegen“. Wie Leidenfrost betont, werden aber keine Daten ohne Zustimmung des Betroffenen weitergeleitet. „Wir haben auch das Recht, alle Unterlagen, die mit einem Fall zu tun haben, einzusehen. Prüfungsprotokolle gehören dazu.“

Eine mündliche Prüfung ist übrigens öffentlich, somit dürfen Kollegen zuhören. Ein Mitschnitt als Absicherung sei nicht verboten, aber „nicht ratsam. Es gehört zum guten Ton, das nicht zu tun.“ Eine Vorlesung dagegen könne man aufzeichnen – und das nicht nur als blinder Studierender.

Rund 6000 Beratungskontakte verzeichnet der österreichische Hochschulombudsmann pro Studienjahr. „Die Hauptkategorie bildet inzwischen alles, was mit Zulassungen und Studienvoraussetzungen zu tun hat“: Kollisionen von Pflichtveranstaltungen, zu wenig Seminarplätze oder Prüfungstermine – das kann Studenten schnell ein Semester oder sogar ein Jahr kosten. Teils würden die Institutionen dann Zusatztermine anbieten, berichtet Leidenfrost. Fix nur einmal jährlich findet aber der Eingangstest für zugangsgeregelte Fächer wie Medizin statt.

Der zweite große Themenkreis umfasse finanzielle Aspekte – etwa, ob jemand von Studiengebühren befreit sei. Das Team des Hochschulombudsmannes sitzt zwar in Wien, kommt bei unlösbaren Konflikten aber „auf Wunsch beider Seiten“ auch vor Ort. Beratungen über große Entfernungen wie etwa für Innsbrucker Studenten, mache man auch via Skype.

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In laufende Verfahren kann der Ombudsmann nicht eingreifen – und auch nicht dafür sorgen, dass jemand keinen Studiengang mehr leitet, wie es jüngst ein Innsbrucker Studenten­vertreter forderte. Anlass war der Fall einer Studentin, der wegen Fehlzeiten durch die Geburt ihres Kindes zunächst ein Zeugnis verweigert wurde (die TT berichtete). Regelungen für Studenten mit Betreuungspflichten seien vor Ort zu treffen. „Wenn wir aber sehen, dass es absolute Sonderfälle gibt, werden wir empfehlen, nachzubessern.“

Apropos Sonderfall: So wollte eine schwangere Studentin unbedingt eine Lehrveranstaltung abschließen, die ein Risiko für das Baby barg. Darunter fallen z. B. Problemstoffe (Chemie, Kunst-Uni) oder Großtier-Untersuchungen an der Veterinärmedizin. „Wir mussten feststellen, dass es dazu keine gesetzliche Regelung gibt.“ Jetzt gibt es zumindest eine Empfehlung, die im Sinne der Eigenverantwortung der Studentin bzw. der Fürsorgepflicht des Vortragenden einen Verzicht nahelegt.


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