Marathonmann im Hamsterrad

Theater Melone zeigt „Der Weg zum Glück“ als österreichische Erstaufführung.

Innsbruck –Ein pathologischer Fall, vielleicht: Ein junger Mann in beinahe adretter Aufmachung (Hemd mit Pullunder, Mascherl und Hochwasserhose) will auf leerer Bühne schöne Geschichten erzählen, doch das Stück, in dem er auftritt, hat seinen eigenen Kopf, gibt Regeln vor, denen sich der Protagonist zu fügen hat. Möglicherweise ist es auch der – wie gesagt – leere Raum, der sein Recht einfordert und bestimmt, was gesagt und wo was getan werden will. Sicher ist nur, dass der Mann (Florian Hackspiel) Spielball einer höheren Macht ist, die gehetzte Zwangshandlungen auslöst und einen Marathon manischer Verrenkungen (unwillkürlich denkt man an Monty Pythons „Silly Walks“ und Kleists Denkschrift „Über das Marionettentheater“) in Gang setzt. Der Versuch, Schönes, irgendetwas herzerwärmend Zwischenmenschliches vorzutragen, wird jedenfalls obstruiert. Dafür brechen sich zurückliegende Verletzungen Bahn – dieser Neurosenkasperl und sein fremdbestimmter „Weg zum Glück“ wäre selbst für Dr. Freud eine faszinierende Zumutung.

Florian Hackspiel spielt ihn mit vollem Körpereinsatz, er läuft und stolpert, schreit und singt Ingrid Lausunds zum Höllenritt ineinandermontierte Textflächen im dafür vorgesehenen Höllentempo. Und Regisseurin Bernadette Sonnenbichler sorgt dafür, dass genug Platz für diese ebenso schweißtreibende wie eigenwillige Text-Turnstunde da ist. Lediglich zurückhaltend eingesetzte Lichtwechsel und etwas Ambiente-Rauschen aus der Konserve sorgen für eine Ahnung von Atmosphäre. Mehr braucht es für diese irrwitzige Entfremdungs-Choreografie auch nicht, denn letztlich geht es um einen Körper und – wenn man so will – ein Individuum im Ausnahmezustand. Wie gesagt: eine faszinierende Zumutung. (jole)


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