Steine für den Katastrophenfall

Beim Hochwasser 2005 mussten Steine aus Vorarlberg teuer in den Bezirk Landeck gekarrt werden. Gestern Freitag ist in Ried im Oberinntal ein 8000-Tonnen-Lager eröffnet worden.

Von Helmut Wenzel

Ried im Oberinntal –Acht Jahre nach dem Hochwasser vom August 2005 haben Verantwortungsträger eine Lehre aus der Katastrophe umgesetzt: Im südlichen Rieder Gewerbegebiet ist heuer eine Halde für 8000 Tonnen Steine errichtet worden.

„Es ist das erste in einem eigenen Behördenverfahren genehmigte Katastrophen-Bruchsteinlager Tirols“, erläuterte gestern Hubert Steiner, Vorstand der Abteilung Wasserwirtschaft in der Landesbaudirektion. „Es gibt zwar noch andere Lagerstätten in Tirol, aber hier ist ein Referenz-Lager entstanden.“

Den beteiligten Partnern, der Gemeinde Ried, der Wildbach- und Lawinenverbauung sowie der Landesstraßenverwaltung und der Abteilung Wasserwirtschaft, könne er nur danken, betonte das für Katastrophenschutz zuständige Regierungsmitglied LHStv. Josef Geisler: „Die Umsetzung dieses Projekts ist ein sehr wichtiger Beitrag zum Katastrophenschutz und zur Krisenvorsorge.“ Im Tourismusland Tirol sei es nicht vertretbar, die benötigten Steine über weite Wege zu transportieren. „Eigentlich sollte in jedem Tal ein derartiges Lager eingerichtet werden“, waren sich die Redner bei der Eröffnungsfeier einig.

Nach dem Hochwasser 2005 hätten elementare Mittel – also Steine – zum Bau von Schutzdämmen und zur Uferbefestigung gefehlt, zeigte Steiner auf. Die tonnenschweren Granitstücke, die übrigens aus einem Steinbruch im Kaunertal kommen, sollen nur in einem „wirklichen Katastrophenfall“ entnommen werden, „wenn sie in der Region dringend benötigt werden“, hob der Abteilungsleiter hervor.

Nutznießer der neuen Einrichtung sei auch die Wildbach- und Lawinenverbauung, wie Tirol-Chef Siegfried Sauermoser betonte: „Ich kann mich nur bedanken und gratulieren. 2005 waren in Tirol fast keine Steine zu bekommen, wir mussten sie teuer in Vorarlberg kaufen.“ Zum neuen Lager in Ried sagte er: „Ich hoffe, dass wir nur in den seltensten Fällen hier zugreifen müssen.“ Die Gemeinde Ried trage nicht nur die Last der Steine, sondern auch die Belastung durch die Lkw-Transporte, stellte Abteilungsleiter Steiner fest. Sollten plötzlich alle 8000 Tonnen benötigt werden, würde dies rund 500 Lkw-Fahrten bedeuten. Bürgermeister Reinhard Knabl hob die zentrale Lage hervor. An der Notwendigkeit des Bruchsteinlagers habe er keine Zweifel: „Mir ist klar, wie schnell sich in Ried ein harmloses Bächlein in einen reißenden Wildbach verwandeln kann.“


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