Skandal um WM-Baustellen in Katar: FIFA unter Druck

Kritik kommt unter anderem von Amnesty International, dem Internationalen Gewerkschaftsbund und der britischen Politik.

Doha – Nach dem alarmierenden Bericht über die katastrophalen Arbeitsbedingungen auf den Baustellen zur Fußball-WM 2022 in Katar werden Stimmen nach einem Boykott oder einer neuen WM-Vergabe lauter. Ein britischer Parlamentarier brachte einen WM-Verzicht von England ins Spiel und der Internationale Gewerkschaftsbund (ITUC) lancierte die Kampagne „www.rerunthevote.org“.

Diese Initiative zielt darauf ab, Menschen dazu zu veranlassen, Druck auf die FIFA auszuüben, damit sie einen neuen Veranstaltungsort für die WM 2022 festlegt, falls die Arbeitnehmerrechte nicht respektiert werden. Für den österreichischen Teil der Kampagne findet am 7. Oktober - dem Welttag für menschenwürdige Arbeit - eine Start-Veranstaltung statt, zu der internationale Gäste, österreichische Fußballfans, Gewerkschafter und politisch Interessierte über die Lage in Katar informiert werden.

ITUC-Generalsekretärin Sharan Burrow bezeichnete Katar als „Sklavenhändler-Staat“. „Um die Infrastruktur zu bauen, werden wahrscheinlich mehr Arbeiter sterben als die 736 Fußballer, die bei der WM auf dem Rasen stehen“, erklärte Burrow.

Um die Infrastruktur zu bauen, werden wahrscheinlich mehr Arbeiter sterben als die 736 Fußballer, die bei der WM auf dem Rasen stehen
ITUC-Generalsekretärin Burrow

Auch die Internationale Spielergewerkschaft (FIFPro) forderte den Weltverband zum Handeln auf. „Wenn die Berichte wahr sind, muss der Fußball reagieren. Es ist unentschuldbar, dass das Leben der Arbeiter geopfert wird, zumal es moderne Gesundheits- und Sicherheitspraktiken in der Baubranche gibt“, sagte FIFPro-Vorstandsmitglied Brendan Schwab. Zugleich forderte er die FIFA auf, mit der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) Experten nach Katar zu schicken.

Deutliche Worte fand der britische Parlamentsabgeordnete Damian Collins von den regierenden Tories. „Ich frage mich, ob die Aspekte wie die Verlegung der WM (vom Sommer in den Winter), die Menschenrechte und die Störung des Sportkalenders nicht so groß sind, dass es die FA (englische Fußballverband) in Betracht ziehen sollte, nicht zu spielen“, sagte Collins der Tageszeitung „Guardian“.

„Schlimmste Arbeitsbedingungen weltweit“

Er regte eine internationale Kooperation von Politikern auch mit Blick auf die Korruptionsvorwürfe rund um die Vergabe der WM an. „Die FIFA versteht und respektiert nur Geld. Die einzige Macht der FA ist, nicht anzutreten.“

Kritik an der FIFA gab es auch von Amnesty International. „Katar hat mit die schlimmsten Arbeitsbedingungen weltweit. Wir erwarten von der FIFA, dass sie aktiv eingreift“, sagte Regina Spöttl, bei Amnesty International zuständig für die Golfstaaten, der „Süddeutschen“.

Als Veranstalter dürfe sich die FIFA nicht aus der Verantwortung ziehen. „In erster Linie ist Katar zuständig für ein gutes Arbeitsrecht im Land. Aber es sind auch die Veranstalter, die für menschenwürdige Bedingungen Sorgen tragen müssen“, meinte Spöttl. „Die FIFA ist ein mächtiger Verband. Es würde ihr guttun, entschlossen einzugreifen.“

Die englische Tageszeitung „Guardian“ hatte am Donnerstag berichtet, dass allein zwischen dem 4. Juni und dem 8. August insgesamt 44 nepalesische Gastarbeiter auf den WM-Baustellen wegen Herzversagens oder Arbeitsunfällen gestorben seien. (APA/dpa/AFP/Reuters)


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