Verstärkung für den Eigenbrötler

Moby hat sich für sein abwechslungsreiches Album „Innocents“ Verstärkung geholt.

Von Sabine Theiner

Innsbruck –Ja, sein Herz ist immer noch ein bisschen traurig. Dass der New Yorker Elektronica-Musiker Moby von melancholischem Gemüt ist – das weiß seit seinem Riesenerfolg „Why Does My Heart Feel So Bad“ (1999) die halbe Welt. An seiner Grundstimmung hat sich nicht viel geändert, das zeigt das Eröffnungsstück seines elften Albums „Innocents“: „Everything That Rises“ klingt wie ein tiefer Seufzer. Da vergisst man leicht, dass Moby eigentlich auch Dance-Tracks produziert und sein 1993er-Track „Thousand“ im Guinness-Buch der Rekorde als das bis dahin schnellste Musikstück (1000 bpm) vermerkt ist. Oder dass er die Titelmelodie der Bourne-Trilogie komponiert und Remixe für die Pet Shop Boys, Brian Eno oder Depeche Mode gemacht hat.

Für „Innocents“ hat Moby erstmals mit diversen Künstlern zusammengearbeitet und so viele Musikstile zusammengeführt. Außerdem besinnt er sich auf seine frühere Schaffensphase und bringt archaisch wirkende Sounds ins Spiel. Dadurch wirkt „Innocents“ geerdet und zugleich offen.

Die Zusammenarbeit mit der hierzulande unbekannten New Yorkerin Sängerin Inyang Bassey erweist sich als Glücksgriff: Ihre soulig-funkige Stimme gibt dem Track „Don’t Love Me“ eine ganze Menge Power. Sixties-mäßig, geheimnisvoll und sexy wird diese Nummer zu einer der besten des ganzen Albums. Auch die rauchige, düstere Ballade „The Lonely Night“ mit Mark Lanegan hat Zugkraft, denn wenn der Rocker zu singen anfängt, ist keiner mehr vor Gänsehaut sicher. Bei „The Last Day“ (mit Wayne Coyne von den Flaming Lips) klingen alte Spirituals durch, die von Mobys klaren und kühlen Beats getragen werden. „Tell Me“ und „A Case Of Shame“ mit Cold Specks bekommen durch die bluesige, betörende Stimme der Kanadierin emotionale Tiefe und durch die elektronische Soundkulisse entsteht eine sphärische, bedeutungsschwere Dichte. Aber Moby kommt auch alleine gut zurecht, das zeigt er in bemerkenswerten Stücken wie „A Long Time“ und besonders „The Dogs“, das trotz seiner Leichtigkeit (die Musik) eine gewisse Schwere und Traurigkeit (die Stimme) beinhaltet.

Für Moby, der als Einzelgänger gilt, ist die Zusammenarbeit mit so vielen Musikern absolut neu. Er nennt sie seine Inspirationsquellen oder „Innocents“, womit auch das Motiv des Albums umrissen ist: das natürliche Bedürfnis der Menschen nach Bindung.


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