Historisches Telefonat: Iran und die USA reden über Atomstreit

Erstmals seit 1979 hat ein Gespräch zwischen dem US-Präsidenten und seinen iranischen Amtskollegen stattgefunden. Dabei wurde der Atomstreit thematisiert.

Washington/Teheran - Erstmals seit der Islamischen Revolution im Jahr 1979 haben die Staatschefs der USA und des Iran direkt miteinander gesprochen: US-Präsident Barack Obama erklärte am Freitag, dass er mit seinem iranischen Kollegen Hassan Rohani telefoniert habe. Bei dem Gespräch sei es um die „andauernden Bemühungen“ gegangen, den Streit um das Atomprogramm des Iran beizulegen.

Nach seiner Wahl im Juni hatte der als gemäßigt geltende Rohani versöhnliche Töne an den Westen gerichtet. Auch Obama hatte sich offen für einen neuen diplomatischen Anlauf der beiden Länder gezeigt. Die USA und der Iran unterhalten seit 1980 keine diplomatischen Beziehungen.

Lösung wird noch gesucht

„Ich habe gerade mit Präsident Rohani am Telefon gesprochen“, sagte Obama im Weißen Haus. Noch gebe es „bedeutende Hindernisse“ für die Verhandlungen im Atomstreit. „Ein Erfolg ist keineswegs garantiert“, sagte der Präsident. „Aber ich glaube, dass wir eine umfassende Lösung finden können.“

Rohani habe angedeutet, dass der Iran niemals Atomwaffen entwickeln werde. Er selbst, Obama, habe klar gemacht, dass die USA das Recht des iranischen Volkes auf eine friedliche Nutzung der Kernenergie respektierten.

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Der Test werde „bedeutende, transparente und überprüfbare Taten“ beinhalten, sagte Obama. Diese Schritte könnten den Iran auch von den Lasten der umfassenden internationalen Sanktionen befreien. Eine Lösung der Atomfrage könnte auch ein größerer Schritt nach vorn in Richtung eines neuen Verhältnisses zwischen den USA und dem Iran sein, so der Präsident weiter.

Politischer Wille vorhanden

Der Iran bestätigte das Telefonat von Obama und Rohani. „Beide bestanden auf dem politischen Willen für eine schnelle Lösung der Atomfrage“, hieß es in einer auf der Webseite der iranischen Präsidentschaft veröffentlichten Erklärung. Außerdem hätten sich die beiden Staatschefs dafür ausgesprochen, den Weg für eine Kooperation bei regionalen Fragen zu ebnen.

Am Rande der UN-Generaldebatte in New York hatte die Annäherung zwischen den USA und dem Iran in dieser Woche deutlich an Fahrt gewonnen. „Ich glaube fest, dass der diplomatische Weg ausprobiert werden muss“, sagte Obama am Dienstag in seiner Rede vor der UN-Vollversammlung. Die schwierigen Beziehungen könnten allerdings „nicht über Nacht“ überwunden werden. Rohani versicherte bei der Generaldebatte, dass der Iran nicht nach Atomwaffen strebe. Von seinem Land gehe „absolut keine Gefahr für die Welt“ aus.

Unklarheit über Telefonat

Wer die Initiative für das historische Telefonat ergriffen hat, ist offenbar unklar. Rohani habe vor seinem Abflug aus New York am Freitag um ein Telefongespräch mit Obama gebeten, hieß es aus Regierungskreisen in Washington.

Der iranische Präsident sieht das aber anders. „Auf dem Weg zum Flughafen (in New York) wurde uns mitgeteilt, dass Präsident (Barack) Obama an einem kurzen Telefongespräch mit mir interessiert sei“, sagte Rohani am Samstag bei seiner Rückkehr nach Teheran. Das Telefonat begann demnach um 14.30 Uhr (Ortszeit, 20.30 Uhr MESZ) und dauerte 15 Minuten.

Es war das erste Gespräch der Staatschefs der USA und des Iran seit dem Sturz des Schahs 1979. Damals hatten radikale Studenten die US-Botschaft in Teheran 444 Tage lang besetzt und 52 US-Bürger als Geiseln genommen. Washington brach daraufhin die diplomatischen Beziehungen mit dem Iran ab.

Kein Treffen

Ein für möglich gehaltenes Treffen zwischen Obama und Rohani kam aber nicht zustande. Aus US-Kreisen hieß es, dass Washington „informelle Diskussionen“ angeboten habe. Für die iranische Seite sei dies „zu diesem Zeitpunkt“ aber noch „zu kompliziert“ gewesen. Rohani sagte dem TV-Sender CNN, dass er „im Prinzip“ zu einem Treffen bereit gewesen wäre. Für die Vorbereitung habe es aber nicht genügend Zeit gegeben.

Dafür kamen US-Außenminister John Kerry und sein iranischer Kollege Mohammad Javad Zarif am Donnerstag am Rande von internationalen Atomgesprächen in New York zu einem Zweiergespräch zusammen. Das halbstündige Treffen unter vier Augen war eine der hochrangigsten Begegnungen von Vertretern beider Länder seit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen.

UN-Verhandlungen werden fortgesetzt

Die fünf UN-Vetomächte und Deutschland vereinbarten mit Zarif, am 15. und 16. Oktober in Genf die Verhandlungen über das iranische Atomprogramm fortzusetzen. Rohani sagte am Freitag zum Abschluss seiner Reise zur UN-Generaldebatte, dass er bei dem Treffen einen Plan für eine Beilegung des Atomstreits vorlegen wolle. „Iran wird diesen Plan vorbereiten und in Genf vorstellen“, sagte er. (APA/AFP/dpa)


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