San Sebastian: Venezolanisches Drama gewinnt Goldene Muschel

Erstmals hat eine Frau aus Lateinamerika den Hauptpreis beim Filmfestival von San Sebastian gewonnen. Die Venezolanerin Mariana Rondón wurde für die Koproduktion „Pelo Malo“ mit der begehrten Goldenen Muschel ausgezeichnet.

San Sebastian – Das beeindruckende Drama „Pelo Malo“ der venezolanischen Filmemacherin Mariana Rondón ist am Samstagabend auf dem 61. Internationalen Filmfestival von San Sebastian mit der „Goldenen Muschel“ als bester Festivalbeitrag ausgezeichnet worden. „Pelo Malo“ (Schlechtes Haar), Rondóns dritter Spielfilm, erzählt auf eine einfühlsame, bewegende Weise den Konflikt zwischen Marta, einer alleinerziehenden, arbeitslosen Mutter, und ihrem Sohn Junior, der durch die harten Lebensumstände und die sich anscheinend beim Kind langsam entwickelnden Homosexualität ausgelöst wird.

„Ich habe diesen Film gemacht, um meine durch die Intoleranz entstanden Wunden zu heilen“, bedankte sich Rondón beim Filmfestival für die Auszeichnung. Ihr Film, in dem es um Identitätssuche und die Intoleranz gegenüber allem anderen geht, sei vor allem ein Aufschrei gegen die Intoleranz gegenüber Homosexuellen in ihrer Heimat Venezuela und auf der ganzen Welt, erklärte die Regisseurin am Rande des Filmfestivals.

Österreicher Götz Spielmann mit „Oktober November“

Unter den insgesamt 13 Festivalbeiträgen, die im offiziellen Wettbewerb um die „Goldene Muschel“ kämpften, befand sich auch der österreichische Filmemacher Götz Spielmann mit seinem neuen Streifen „Oktober November“. Das packende Familiendrama erzählt die Geschichte zweier entfremdeter und vollkommen unterschiedlicher Schwestern, die sich auf der Suche nach Identität und Glück am Sterbebett ihres Vaters wiederfinden. Spielmanns erster Film nach dem vor fünf Jahren für einen Oscar nominierten „Revanche“ ging jedoch - abgesehen von einer besonderen Erwähnung der katholischen Signispreis-Filmjury - leer aus.

Auch im Wettbewerb für den Regiepreis war die Konkurrenz für Götz Spielmann mit Filmemachern wie Denis Villeneuve („Enemy“), Roger Michell („Le Week-end“), Jonathan Teplitzky („The Railway Man“) oder Bertrand Tavernier („Quai d ́Orsay“) sehr stark. Letztendlich ging die Auszeichnung für die „beste Regie“ an den mexikanischen Filmemacher Fernando Eimbcke für seine sensible und originelle Umsetzung der Komödie „Club Sandwich“, die das Verhältnis zwischen einer alleinerziehenden Mutter und ihrem pubertierenden Sohn beleuchtet.

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Auch Nora von Waldstätten und Ursula Strauss, die in „Oktober November“ überzeugend die Schwestern Sonja und Verena spielen, konnten sich im Rennen um die Auszeichnung für die „beste Schauspielerin“ nicht gegen die Konkurrenz durchsetzen. Die „Silberne Muschel“ ging an die Spanierin Marian Alvarez für ihre herausragende Darstellung der verhaltensgestörten, autodestruktiven Figur Ana in „La herida“ („Die Wunde“) von Regisseur Fernando Franco. Francos beeindruckendes Drama „La herida“, das in San Sebastian Weltpremiere feierte, erhielt auch den diesjährigen Festival-Jury-Sonderpreis.

Jim Broadbent als „bester Schauspieler“

Bei den männlichen Darstellern setzte sich unterdessen der Engländer Jim Broadbent als „bester Schauspieler“ für seine glänzende Rolle in Roger Michells „Le Week-end“ gegen die Konkurrenz durch, unter denen sich unter anderem Schauspieler wie Colin Firth („The Railway Man“) oder Jake Gyllenhaal („Enemy“) befanden.

Die Auszeichnung für das beste Drehbuch ging an den französischen Altmeister Bertrand Tavernier, der für seine urwitzige Polit-Komödie „Quai d ́Orsay“ auch mit dem diesjährigen Fipresci-Preis der internationalen Filmkritiker in San Sebastian gekürt wurde. Die Auszeichnung für die „beste Fotografie“ erhielt der spanische Streifen „Canibal“. Der Preis für den besten Nachwuchsregisseur in der Sparte „News Directors“ ging an den Isländer Benedikt Erlingsson für „Of Horses and Men“.

Hugh Jackman erhielt Festival-Sonderpreis

Hollywood-Star Hugh Jackman wurde am Freitagabend auf dem 61. Internationalen Filmfestival von San Sebastian bereits mit dem Festival-Sonderpreis ausgezeichnet. Der smarte Australier stellte auf dem Festival den Thriller „Prisoners“ von Denis Villeneuve vor, in dem er neben Jake Gyllenhaal die Hauptrolle spielt. Der 44-jährige Schauspieler, der vor allem als „Wolverine“ in der X-Men-Reihe zum Weltstar wurde, erklärte das Festival zum „Jackman-Festival“, da bereits seine Frau Deborra-Lee Furness hier 1991 die „Silberne Muschel“ als beste Schauspielerin für ihre Rolle in „Waiting“ erhielt. Auch Pedro Almodovars Muse Carmen Maura erhielt auf der diesjährigen Festival-Ausgabe den Sonderpreis für ihre Schauspielkarriere. Das Festival von San Sebastian gehört neben Cannes, Venedig und Berlin zu den wichtigsten internationalen Filmfestivals. (APA)


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