FPÖ erringt zweiten Platz in Tirol, BZÖ verliert massiv

Bewölkt, frisch, aber nicht nass oder regnerisch: In Tirol herrschte ab den Morgenstunden perfektes Wahlwetter. 537.040 Tiroler waren aufgerufen, ihre Stimmen abzugeben. Am meisten Zugewinne erlangte die FPÖ, auch die Grünen erstarkten.

© Robert Parigger

Innsbruck – „Ich bin überzeugt, dass die gute Arbeit, die wir geleistet haben auch vom Wähler honoriert werden wird.“ Mit diesen Worten trat Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle am Sonntagvormittag, kurz vor 11 Uhr, in seiner Heimatgemeinde Telfs an die Wahlurne. Der Spitzenkandidat der Tiroler ÖVP war in Begleitung seiner Gattin Maria, seines Sohnes Andreas und seiner Schwiegermutter zum Wahllokal marschiert. Und er möchte als einer von sechs Tirolern für die ÖVP in den Nationalrat.

Georg Willi und Aygül Berivan Aslan führten die Tiroler Grünen zum besten Ergebnis in ihrer Nationalratswahl-Geschichte.
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Am Abend konnten er und seine Volkspartei rund 32,4 Prozent der Stimmen auf sich vereinen und 1,3 Prozent zulegen. „Enttäuscht“ vom Ausgang der Nationalratswahl hat sich Tirols Landeshauptmann und VP-Chef Günther Platter in einer ersten Reaktion gezeigt: „Natürlich hätten wir uns auf Bundesebene ein besseres Ergebnis gewünscht“, erklärte er. In Tirol habe die ÖVP „ein respektables Ergebnis erzielt und österreichweit das beste ÖVP-Ergebnis erringen können“. Trotz der bescheidenen Stimmung auf Bundesebene habe man die Mobilisierungsstärke der Tiroler VP unter Beweis gestellt. Die Tiroler Volkspartei und „unser Tiroler Minister in Wien, Karlheinz Töchterle, sind durch dieses Landesergebnis gestärkt“.

Georg Willi, Spitzenkandidat der Grünen in Tirol, war etwas früher dran als Töchterle. Um 8.30 Uhr fuhr er mit Katharina Willi vor dem Wahllokal der Neuen Mittelschule Hötting in Innsbruck vor - mit dem Fahrrad natürlich. Mit Spannung erwartet er den Wahlausgang, auch wenn es dazwischen zur Chorprobe geht. Das Abschneiden der ÖVP und der Grünen in Tirol ist bei diesen Wahlen von besonderem Interesse. Hat die Regierungsbeteiligung der Grünen sowohl im Land als auch in Innsbruck Auswirkungen? „Das ist eine Bundeswahl“, glaubt Willi nicht, dass man direkt vom Ergebnis der Nationalratswahl auf die Performance der Tiroler Regierungsparteien ableiten kann. Doch ein erster Stimmungstest ist die Wahl allemal.

Karlheinz Töchterle nimmt Gratulationen von Günther Platter entgegen. Beide freuen sich über die gestärkte Rolle, in der sie beide Tirol mit dem bei dieser Wahl besten VP-Ergebnis im Ländervergleich nun im Bund sehen.
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Am Ende hielt der grüne Balken bei 14,1 Prozent. Willi und die Grünen legten damit um drei Prozent zu. Die Freiheitlichen schaffen mit 20,2 Prozent den Sprung auf den zweiten Platz vor der SPÖ. Das Plus betrug hier 3,1 Prozent, damit ist die FPÖ Wahlsieger in Tirol. „Ich bin glücklich und stolz. Ich habe mit 18 oder 19 Prozent gerechnet. Das Ergebnis hat alle Erwartungen übertroffen. Ich war kein besonders bekannter Kandidat, es ist daher sicher ein Strache-Erfolg, und kein Wurm-Erfolg“, freute sich Peter Wurm von der FPÖ.

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Enttäuschtes BZÖ: 7,3 Prozent gingen verloren

Wenig Grund zur Freude hatten Gisela Wurm (SPÖ) und Gerhard Huber vom BZÖ. Enttäuscht sagte Huber: „Ich möchte mich trotz allem bei unseren Wählern bedanken. Wir hatten nicht das Geld wie manch andere Partei. Die Tiroler wollen offenbar, dass das Land weiterhin verwaltet statt gestaltet wird. Das BZÖ wird es auch weiterhin geben.“ Mit 3,1 Prozent Stimmen und einem Minus von 6,6 Prozent setzte es für das BZÖ tatsächlich ein herbe Niederlage.

Die Tiroler SPÖ setzte auf ein motiviertes Wahlkampfteam und konnte nur rund 31.000 Euro Wahlkampfbudget aus den klammen Kassen locker machen. Für Gisela Wurm sind die erreichten 18,5 Prozent der Stimmen samt minimalem Plus von 0,5 Prozent nicht berauschend. „Aber ich hatte einen sehr schweren Wahlkampf zu führen, in einer Situation, in der sich die Partei hier in Tirol einen Konsolidierungskurs verschrieben hat.“

Für Gerhard Reheis setzte es bei den Landtagswahlen eine Schlappe, nun konnte die Partei zwar minimal wachsen, zufrieden kann die Tiroler SPÖ aber nicht sein.
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Das Team Stronach schaffte in Tirol mit 5,7 Prozent ein Ergebnis knapp über dem Bundesergebnis. „Das Geld hat nur bedingt eine Rolle gespielt. Wir haben super gearbeitet und sind mit unseren Themen gut durchgedrungen“, freute sich Walter Jenewein. Euphorischer klang da noch Brigitte Gerhold von den NEOS. Diese konnten 4,7 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. „Es ist heute wirklich ein historischer Tag. Die Menschen haben wohl gespürt, dass bei uns Ernsthaftigkeit dahintersteckt“, so Gerhold. (tt.com)

Hier gibt es die Ergebnisse bis auf Gemeindeebene: http://www.tt.com/politik/wahl2013/index.csp


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