Mass und Stimmung auf der Wiesn fest in Tiroler Hand

Sinkende Trinkgeldeinnahmen für Kellner und steigende Stimmung bei den Musikern: Das Oktoberfest 2013 geht in die zweite Halbzeit.

Von Christoph Mair

und Marco Witting

München –Die Tiroler auf der Wiesn. Sie sitzen, stehen und tanzen nicht nur als Besucher auf den Bänken, sondern stehen hinter der Bar, schleppen Masskrüge und sorgen auf der Bühne für Stimmung. Für jene, die auf dem Münchner Oktoberfest zwei Wochen lang arbeiten, gibt es zwar die ein oder andere Mass vor allem aber ein Ziel: durchhalten.

„Ein paar kleinere Wehwehchen vom Einschenken, aber sonst geht es mir noch gut“, bilanziert Markus Walder aus Kitzbühel zur Halbzeit der Wiesn. Viele Tiroler seien auch heuer wieder am Oktoberfest. „Man trifft eigentlich immer dieselben, die sich auch in Ischgl oder Obertauern tummeln.“ Im Hippodrom schenkt Walder schon im vierten Jahr an der Bar Champagner aus. Auch an einige Promis, wie etwa Verena Kerth (Ex von Oliver Kahn) oder Verona Poth „Mir sind die normalen Gäste fast lieber. Da gibt’s weniger Trubel.“

Während der Kitzbühler an der Bar arbeitet, tun sich viele Kellner in den Zelten heuer etwas schwerer. Sie leiden unter den Preisen für die Mass (bis zu 9,85 Euro) und dem dadurch ausbleibenden Trinkgeld. Das macht für viele Bedienungen bis zu 50 Prozent des Wiesn-Lohns aus. Die Gäste würden nur auf 10 Euro aufrunden und damit fehlt einigen Kellnern ein ordentlicher Teil ihres zweiwöchigen „Schmerzengeldes“. Darüber, wie viel die Bedienungen am Oktoberfest wirklich verdienen, ranken sich seit Jahren wildeste Gerüchte: Zwischen 5000 und 10.000 Euro hieß es für Bedienungen in den großen Zelten. Doch heuer soll es deutlich weniger werden.

Von einem sensationellen Auftakt bei Traumwetter schwärmt Michael Frank. Der Ehrwalder ist bereits zum 17. Mal als Musiker beim Oktoberfest, zum 9. Mal als Frontmann der Gruppe Dreirad. Trotz leichter Ermüdungserscheinungen haben er und seine Bandkollegen eine Wahl getroffen: „Einmal Wiesn, immer Wiesn.“ Dafür passt die Rock-und-Pop-Partyband, die in Käfers Wiesnschänke vor viel Prominenz aufspielt, auch ihr Programm ganz an die Bedürfnisse des Oktoberfests an: die Wiesn-kracher wie „Highway to Hell“ oder „Hey Baby“. Als Stimmungsmacher sei heuer besonders Hubert von Goiserns „Brenna tuat’s guat“ gefragt, erzählt er am Telefon kurz vor dem nächsten Auftritt.

Das Wichtigste in den zwei Wochen auf der Wiesn sei, dass sich niemand eine Erkältung hole. „Und für den Sänger natürlich die Stimmbänder“. Die brauchen viel Flüssigkeit, vorzugsweise alkoholfrei. „Aber wir trinken schon auch gern ab und zu eine Mass Bier oder einen Schnaps“, sagt Frank. Er hofft, dass er von größeren Problemen als der typischen Wiesn-Heiserkeit verschont bleibt. Nach den zwei Wochen Ausnahmezustand in München warten auf die Bandmitglieder zwei Wochen Urlaub. „Früher sind wir gleich weiter zum zweitgrößten Oktoberfest der Welt nach Blumenau in Brasilien“, erinnert sich Frank. Doch mittlerweile gehen es auch Oktoberfest-Routiniers wie die Band Dreirad ruhiger an.


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