Kirchler nach Absturz auf Platz neun: „Ich werde die Ruhe bewahren“

Wacker ist nach dem 0:1 bei Sturm Graz wieder dort, wo keiner mehr hinwollte – auf Tuchfühlung zu Rang zehn: Coach Roli Kirchler feierte gestern seinen 43. Geburtstag, ohne nervös zu werden.

Von Alex Gruber

Innsbruck –Der verstorbene Freund Robert Auer schlug Wacker-Trainer Roli Kirchler gestern beim Geburtstags­essen mit Gattin Eva-Maria in Stumm weit mehr auf den Magen als das knapp verlorene Match in Graz. Wie in vielen Spielen zuvor war auch die Leistung bei Sturm „nicht so schlecht“. Mit dem wichtigen Nachsatz: „Dauerhaft haben wir nichts davon, wenn wir sagen, dass die Leistung nicht so schlecht war, aber die nötigen Punkte ausbleiben.“

Die Schwarzgrünen (siehe Box) haben in dieser Spielzeit schon etliche Zähler liegen gelassen. So sehr auch Glücksgöttin Fortuna im Abstiegskampf der Vorsaison mit dem Last-Minute-Heimtreffer beim 2:1-Sieg über Sturm oder der glorreichen Aufholjagd beim WAC (von 0:2 auf 3:2) hold war, so wenig lacht sie in der laufenden Spielzeit auf die Wackerianer herunter.

„Uns fehlen fünf bis sechs Zähler. Dann wären wir in jener Region, wo es keinen Stress gäbe. Jetzt sind wir wieder dort, wo wir schon waren“, weiß Kirchler, wie eng alles beeinander liegt. Statt unbeschwerten Zeiten entgegenzublicken, steht jetzt am kommenden Samstag ein mehr als richtungsweisendes Duell gegen die Admira auf dem Programm, wo im schlimmsten Fall einer Niederlage die rote Laterne droht.

Verlorene Punkte

1. Runde:

Wacker – Sturm 2:2

Wacker liegt nach zwei späten Toren 2:1 in Front, ehe ein Schilling-Eigentor in Minute 90 Sturm den Ausgleich bringt.

4. Runde: WAC – Wacker 1:1. Roman Wallner verschießt beim Stand von 1:1 in Minute 72 einen Elfer.

5. Runde: Wacker – Ried 2:3. Wallner verschießt beim Stand von 2:3 in Minute 81 einen Elfer.

7. Runde: Austria – Wacker 1:1. Okotie glückt in Minute 89 der Ausgleich für die Austria.

8. Runde: Grödig – Wacker 3:3. Nach einer 3:1-Führung muss Wacker in der 84. Minute den bitteren 3:3-Ausgleich hinnehmen.

Gesamt fehlen Wacker in dieser plakativen Rechnung neun Punkte.

Kirchler zuckt mit den Achseln. Im Wissen, dass es im Leben gute und eben weniger gute Zeiten gibt. Hauptsache, man selbst bleibe aufrecht. Die lange Bundesliga-Karriere und viele seiner eigenen Trainer haben ihn schließlich gelehrt, nicht in Panik zu verfallen, wenn die Lage (ein wenig) bedrohlich wird: „Schlechte Trainer sind nervös geworden, die guten haben auch diese Zeiten durchgestanden“, will er sich an Letztgenannten orientieren. Dass sich Staubsauger Marco Kofler in Graz den großen Zeh brach und vier Wochen ausfällt, liege in der Natur der Sache. Fußball ist und bleibt Kampfsport.

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Kämpfen will Kirchler in der kommenden Trainingswoche und vor dem Kellerderby auch um den zwölften Mann. „Die Fans, speziell von der Nord, unterstützen uns nach wie vor. Ich werde noch einmal mit ihnen reden und sagen, wie wichtig sie auch am Samstag für uns sind.“

Dass in Graz mit Goalie Szabolcs Safar die personifizierte Verlässlichkeit patzte, passte irgendwie ins unglückliche Saison-Bild. Und trotzdem hält Kirchler unbeirrt fest: „Wir spielen einen besseren und schöneren Fußball als früher. Der Weg passt und die Punkte werden noch kommen.“ Den (finanziellen) Umbruch, in dem der Verein und das Team (in Graz begannen mit Siller, Kofler, Hauser, Hinterseer, Löffler und Kuen sechs Tiroler) stecke, solle man nicht übersehen. Hoffentlich hat der Abstiegskampf auch die Nerven gestählt.


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