FPÖ auf Platz 1 in der Steiermark, Gemeindeproteste wirkten sich massiv aus

Während die beiden steirischen „Reformpartner“ ÖVP und SPÖ in kleinen Gemeinden dramatisch verloren haben, ist die FPÖ dort vielfach die Nummer eins.

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache.
© REUTERS/Heinz-Peter Bader

Graz – In der Steiermark gibt es mit der FPÖ einen klaren Wahlsieger: Die FPÖ dürfte laut Hochrechnung der ARGE Wahlen von 16 Uhr gegenüber 2008 mehr als acht Prozentpunkte dazugewinnen und erreicht mit knapp 26 Prozent der Stimmen den ersten Platz vor der SPÖ. Diese verlor demnach knapp sechs Prozentpunkte und kommt auf nur mehr 23,5 Prozent.

Gleich starke Verluste wie die SPÖ erleidet laut Hochrechnung die ÖVP, die mit einem Minus von sechs Prozentpunkten auf nur mehr rund 20 Prozent kommen dürfte. Gleichauf auf Rang vier sind die Grünen und das Team Stronach mit je rund zehn Prozent der Stimmen. Gegenüber 2008 bedeutet dies für die Grünen ein Plus von rund 1,5 Prozentpunkten.

Das Team Stronach erreicht demnach im Heimatbundesland von Parteigründer Frank Stronach eine fast doppelt so hohe Zustimmung wie im Bundesschnitt. Das BZÖ liegt hingegen etwa im bundesweiten Schnitt und dürfte auf knapp vier Prozent der Stimmen kommen (2008: 13,2) - ein Minus von fast zehn Prozentpunkten.

FPÖ profitierte in vielen Kommunen

Die beiden steirischen „Reformpartner“ SPÖ und ÖVP wiegelten stets ab und sahen die Proteste gegen die geplanten Gemeindefusionen von Minderheiten getragen. Dass dies offenbar eine Fehleinschätzung war und vor allem ÖVP, aber auch SPÖ in der Steiermark überproportional Federn lassen mussten, zeichnete sich am Sonntag bei der Nationlratswahl schon anhand der ersten Ergebnisse ab. Profitieren konnte vor allem die FPÖ, die nicht nur in vielen Kommunen, sondern laut Hochrechnung sogar landesweit Nummer eins wurde.

In der kleinsten steirischen Gemeinde, Freiland, die nicht mit der Bezirkshauptstadt Deutschlandsberg fusioniert werden will, verlor die ÖVP die Hälfte der Stimmen (minus 24,53 Prozentpunkte). Ähnlich dramatisch waren die Einbrüche in Reichendorf (Bezirk Weiz), wo die Freiheitlichen mit 54,43 Prozent zur absoluten Mehrheit kamen, oder Teufenbach im Bezirk Murau, wo die Volkspartei gar 29 Prozentpunkte verlor. In Ganz (Bezirk Bruck-Mürzzuschlag) kassierte die ÖVP ein Minus von 35,68 Prozentpunkten, in Salla (Bezirk Voitsberg) 28,41, in Gersdorf an der Feistritz (Bezirk Weiz) 23,95, in St. Nikolai im Sölktal (Bezirk Liezen) 23,59 Prozentpunkte. Dramatisch für die Volkspartei auch das Minus in den Nachbargemeinden von Schladming, Rohmoos-Untertal und Pichl-Preunegg mit minus 20,90 bzw. 25, 58 Prozentpunkten.

Nicht viel besser erging es den in den kleineren Gemeinden ohnedies schwächer aufgestellten Sozialdemokraten: In Pichl-Kainisch im Ausseerland verloren sie 30,38 Prozentpunkte, in Gschnaidt (Bezirk Graz-Umgebung) 18,56, in Rabenwald (Bezirk Weiz) 18,20, in Gams bei Hieflau (Bezirk Liezen) 17,10, in Etmißl (Bezirk Bruck-Mürzzuschlag) 16,39, in Sulztal (Bezirk Leibnitz) 16,12, Kainach (Bezirk Voitsberg) 14,58 und in Ratschendorf (Bezirk Südoststeiermark) 13,63 Prozentpunkte.

Stronach, Gründe und Neos schnitten überproportional gut ab

In Höf-Präbach, wo Gemeininitiativen-Sprecher und ÖVP-Bürgermeister Florian Taucher zum Boykott von SPÖ und ÖVP aufgerufen hatte, verlor die ÖVP 22,11 Prozentpunkte und die SPÖ 5,11 Prozentpunkte, wodurch nun die FPÖ mit plus knapp zehn Prozentpunkten und 26,99 Prozent stärkste Kraft ist. Auch Stronach (14,36 Prozent), Grüne (12,02 Prozent) und NEOS (9,82 Prozent) schnitten überproportional gut ab. „Ich vermute, dass die Gemeindefusionen da ein Schärfchen beigetragen haben. Es gab auch einen Solidarisierungseffekt in Gemeinden mit positiven Beschlüssen“, sagte Taucher in einer ersten Stellungnahme gegenüber der APA - Austria Presseagentur. „Es tut mir nach wie vor weh. Aber, wenn wer fragt, wer verantwortlich ist, muss ich sagen: Unsere Landeshauptleute und unsere Landtagsabgeordneten.“ Sie hätten die Anliegen der Kommunen nicht ernst genommen und die direkte Demokratie mit den Füßen getreten. Taucher zitierte noch die Aussage einer Wählerin im Wahllokal: „Über die Gemeindefusion haben sie uns nicht abstimmen lassen, aber heute dürfen wir wählen.“ (APA)


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