„Herz“ von Kals ist komplett

Mit dem neuen Kultursaal vollendete das Glocknerdorf nach 18 Jahren die moderne Umgestaltung des Dorfkerns. Zum Fest kamen auch Urenkel von Alpinpionier Stüdl.

© EXPA Pictures

Von Christoph Blassnig

Kals a. Gr. –„Wir verneigen uns voller Respekt vor der seit 530 Jahren bewohnten Bausubstanz des gegenüberliegenden Widums“, begründen die Architekten Erich Lengaue­r und der aus Osttirol stammende Peter Schneider die Formgebung ihres jüngsten Projektes im Ortskern: das neue Kulturhaus.

„Es nimmt dessen Dachflucht auf und setzt sie fort. Die Idee der Kombination von schlichter Architektur mit natürlichen Materialien begründet den massiven Ziegel­bau, die komplette Innenausstattung aus Zirbenholz wird zum Erlebnis für alle Sinne. Die spannende Umgebung in Kals teilt sich durch die Fenster mit, Bilder werden dadurch überflüssig.“

Vor achtzehn Jahren haben die Planer einen Wettbewerb zur Neugestaltung des Dorfkernes für sich entscheiden können. Seit dem Jahr 1998 setzte man Baustein auf Baustein, mit der Einweihung des Kulturhauses am vergangenen Freitag vervollständigt sich die Gebäudegruppe um die markante Straßenkehre in Ködnitz. Das Glocknerhaus zwischen Friedhofsmauer und Landesstraße war der erste Schritt. Es folgte das Mehrzweckgebäude „Haus de calce“, dann die Generalsanierung des Widums.

„Kals bedeutet für uns einen Glücksfall: Über einen so langen Zeitraum – immerhin mehrere Gemeinderats­perioden – hinweg mit ein und demselben Bauherren zusammenarbeiten zu können, ist nicht selbstverständlich“, loben die Architekten.

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BM Klaus Unterweger ist froh, mit den beiden damals noch jungen Architekten einen Volltreffer gelandet zu haben: „Beim Wettbewerb waren die Einreichungen anonym. Unsere Wahl erwies sich als goldrichtig.“ Der große Veranstaltungssaal im neuen Kulturhaus ist Johann Stüdl gewidmet. „Seinem Pioniergeist hat Kals vieles zu verdanken. Stüdlgrat und -hütte befinden sich auf 3000 Metern, wir wollen seinen Namen mit dieser Widmung auch im Dorf sichtbar machen“, führt Vize-BM Martin Gratz aus. „Besonders stolz heißen wir acht seiner Nachkommen, davon vier Urenkel Stüdls, zu unserer Eröffnungsfeier willkommen. Der Autor Ladislav Jirásko erinnert an den Visionär und Erschließer der Alpen mit einem zweisprachigen Büchlein. Darin stellt er das Leben des Prager Kaufmannes Johann Stüdl, seine Begeisterung für den Alpinismus und seine Offenheit und Impulskraft für die bis zu seiner Zeit notleidende Bevölkerung im Kalsertal dar.“

Jirásko betont die historische Verbundenheit zwischen Kals und Prag. Gemeinsame Veranstaltungen sollen diese neu beleben. Die Nationalparkgemeinde wird sich bei einem internationalen Alpinismusfestival Ende November in Prag vorstellen. Eine Sonderausstellung in den Räumen des österreichischen Kulturforums über Johann Stüdl folgt, bevor im Jänner die Multivision-Performance „Friede-Freiheit-Fairness“ der Trachtenmusikkapell­e Kals den krönenden Abschluss bilden wird.


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