Ringen um Entlohnung belastet Pflegeheim Barwies

Mit einem in Vorarlberg erprobten Entlohnungssystem wollen die Verantwortlichen dem Abgang begegnen. Die Belegschaft ist skeptisch.

Von Thomas Ploder

Mieming –Das vor Kurzem im Wohn- und Pflegeheim Barwies eingeführte Entlohnungsmodell nach dem Muster eines Heims in Vorarlberg beschäftigte in seiner jüngsten Sitzung auch den Mieminger Gemeinderat. „Auf Dauer lässt sich der Abgang durch die Gemeinden nicht finanzieren“, so Miemings Bürgermeister Franz Dengg, „da fahren wir mit Volldampf gegen die Wand“. Der Abgang des zu Jahresbeginn 2005 eröffneten Hauses lag bisher stets über der deklarierten Schmerzgrenze der beteiligten Gemeinden.

Nach Verlusten von 220.000 Euro im Jahr 2009 wurden externe Fachleute damit beauftragt, Schwachstellen offenzulegen. Bereits in der Gemeinderatssitzung vom Oktober 2010 wurde dazu allerdings aus der Expertise zitiert, dass in „keinem Bereich auffällige Abweichungen zu anderen Heimen vorliegen“. Der Vergleich mit den Minutenschlüsseln des Landes ergab zu diesem Zeitpunkt allerdings einen Überhang von 2,5 Mitarbeitern in der direkten Pflege und 1,5 Mitarbeitern in der begleitenden Struktur. „Daraus entstehen genau jene Kosten, die zum Abgang führen“, bestätigte Dorfchef Dengg gegenüber dem Gemeinderat.

Die danach gesetzten Bemühungen führten allerdings nicht zum gewünschten Erfolg. Der Abgang 2012 belief sich auf rund 200.000 Euro.

Der Bürgermeister zeigte sich im Gemeinderat zwar ungehalten darüber, dass eine nach seiner Meinung „eindeutig interne Angelegenheit des Heims nun zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt nach außen getragen“ worden sei, beantwortete jedoch die diesbezügliche Anfrage der Opposition ausführlich: Um Personalkosten einzusparen, versuchte man seitens der Führung einen Kompromiss zu finden. Wie BM Franz Dengg in seiner Funktion als Obmann des Trägerverbands erklärte, stünde die Qualität der Pflege und Betreuung in keiner Form zur Diskussion. Auch Personalreduktionen auf deutlich niedrigere Vergleichswerte anderer Heime wolle man vermeiden. Dagegen sollen erprobte Modelle vergleichbarer Einrichtungen deutlich spürbare Einsparungen bringen.

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Deshalb wurde im August ein Modell aus Vorarlberg auch in Barwies eingeführt, das im Kern vor allem Struktur- und Entlohnungsänderungen für die Nachtdienste vorsieht.

Gegen dieses Modell setzen sich nun Teile der Personalvertretung und der Belegschaft zur Wehr. Es wurden bereits Gespräche mit der Arbeiterkammer geführt, mit Klage gedroht. Für heute Dienstag wurde deshalb eine interne Sitzung angesetzt, in der eine allgemein akzeptable Lösung gefunden werden soll. Öffentliche Diskussionen, die nur die Stimmung anheizen würden, bezeichnete Dengg vor diesem Hintergrund als „überaus kontraproduktiv“. Vielmehr appellierte der Obmann des Trägerverbandes an die Konsensbereitschaft der Geschäftigten, aktiv an einem finanzierbaren Modell mitzuarbeiten.


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