Biederkeit führt zum Publikumserfolg

Brigitte Fassbaender inszeniert in Frankfurt Richard Strauss’ „Ariadne auf Naxos“ mit Tiroler Beteiligung.

Von Jörn Florian Fuchs

Frankfurt –Naturgemäß war das Premierenpublikum entzückt. Keine Gewaltszenen, eine gute Sängerbesetzung, noch dazu der Generalmusikdirektor am Pult – was will man mehr? Und prinzipiell spricht ja auch wenig dagegen, dem überall grassierenden Regisseurstheater eine konservative, das Werk bewahrende Sicht entgegenzusetzen. Gerade bei „Ariadne auf Naxos“, dem zwischen Komödie und Tragödie schwankenden Opernzwitter von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal, ist es außerdem wirklich schwierig, das Geschehen allzu weit von der Vorlage abzuheben. Mit zuckersüßen Melodien, grandiosen Ensembles und immensem Witz wird da von der Unmöglichkeit einer Opernaufführung erzählt, die Witziges und Ernstes verknüpfen soll. „Ariadne“ ist dabei auch eine Parodie auf den Theaterbetrieb, gesellschaftliche Konventionen sowie das koloraturengeile Publikum – vor allem Zerbinettas ausufernde Bravourarie ist ein wahres Meisterstück an Doppelbödigkeit.

In Frankfurt singt Brenda Rae diese Partie brillant, wird jedoch leider arg harlekinesk-unerotisch eingekleidet. Ihre Gegenspielerin Ariadne verkörpert Camilla Nylund mit primadonnenhafter Grazie und warmem, berückend schönem Timbre. Michael Königs Bacchus bleibt etwas blass, exzellent dagegen Claudia Mahnke als depressiver Komponist, der sich erst ganz am Schluss mit diesem seinem ‚Machwerk’ anfreundet. Erfreulich auch die Leistung der beiden Tirol-Importe: Daniel Schmutzhard als Harlekin und Martin Mitterrutzner in der kleinen, feinen Rolle des Brighella überzeugen. Das Urgestein Franz Grundheber verkörpert würdevoll den Musiklehrer. Am Pult des Frankfurter Museumsorchesters sorgt Sebastian Weigle für einige schöne, knackige Momente. Indes fehlt es häufig an Glanz und Energie, mehr als solide war das alles nicht.

Brigitte Fassbaender gelingt durchwegs eine klare, meist auch inspirierte Personenführung, allerdings leidet ihre Inszenierung an Ideenmangel und einer gewissen Unentschlossenheit. Es überwiegen Oberflächenscherze und szenische Kalauer. Wenn zum Beispiel vorne Ariadne trauert, führt man(n) weiter hinter eine alberne Mini-Polonaise auf. Das Bühnenbild von Johannes Leiacker spielt auf eher banale Weise mit Theater auf dem Theater. Zuerst befindet sich das Personal in einer Art Foyer, später wird der Raum perspektivisch verzerrt, mit klitzekleinen und riesengroßen Stühlen und Türen. Das ist ebenso unoriginell wie unsinnlich. Mit ganz viel gutem Willen lässt sich eine Prise Kritik am Kulturbetrieb erkennen, doch erschöpft sich Fassbaenders Regie letztlich in gut gemeinter Biederkeit. Für ein Haus wie Frankfurt, dessen Intendant sich und seine Wirkungsstätte für den Nabel der Opernwelt hält, ist dies deutlich zu wenig.


Kommentieren


Schlagworte