Absturzgefährdetes Denkmal

Erst bei der Sanierung der denkmalgeschützten Hochstegbrücke in Finkenberg stellte sich heraus, dass der Felsuntergrund labil ist. Das sorgt für Ärger im Denkmalamt.

Von Angela Dähling

Finkenberg –Bürgermeister Matthias Eberl ist ratlos. „Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll“, sagt er achselzuckend. Grund für das Köpferauchen im Finkenberger Gemeindeamt ist die Hochstegbrücke im gleichnamigen Ortsteil. Das auf rund 100 Jahre geschätzte Holzbauwerk soll saniert werden. Das war zumindest der Plan, nachdem sich die Gemeinde und das Denkmalamt zuvor zwei Jahre mit dem Thema beschäftigt hatten. „Wir wollten anfangs die Brücke in ganz gleicher Optik komplett neu errichten“, erzählt Eberl von den Anfängen. Dann schaltete sich das Denkmalamt ein und nachdem Sachverständige festgestellt hatten, das 80 Prozent der alten Brückenteile noch in Ordnung waren und die Erhaltung billiger als ein Neubau käme, nahm das Sanierungsprojekt Gestalt an.

Ein Zillertaler Vermessungsbüro machte für das Bundesdenkmalamt eine Bestandsaufnahme und im April dieses Jahres beschloss der Finkenberger Gemeinderat schließlich die Vergabe und Finanzierung der 215.000 Euro teuren Brückensanierung. Je 50.000 Euro hätten demnach das Bundesdenkmalamt und die Kulturabteilung übernommen. Abzüglich 43.000 Euro aus Talvertragsmitteln hätte die Gemeinde Finkenberg 72.000 Euro selbst berappen sollen.

Doch nun ist alles anders. Denn zu Beginn der Sanierungsarbeiten stellte sich heraus, dass der felsige Untergrund der tiefen Schlucht, über die die Hochstegbrücke führt, labil ist.

„Die Schlucht ist vor zirka 180 Millionen Jahren durch Gebirgsbildung aus dem Meer heraus entstanden“, erklärt Landesgeologe Gunther Heißel. Diese Meeressedimente seien senkrecht aufgeschoben worden. „Und nun löst sich auf der einen Seite der Brücke eine Gesteinsschicht nach der anderen senkrecht großflächig ab“, erklärt er. Es sei daher nur eine Frage der Zeit, bis die Brücke in die Tiefe stürzen werde. „Eine künstliche Stützung der Felswand ist nicht möglich“, informiert Heißel weiter. Denn sie sei derart brüchig, dass bei einem hierfür nötigen Bohrvorgang ein Absturz der ganzen Bohrmannschaft zu befürchten sei. „Man müsste die kritischen Bereiche von rund drei Metern überspannen und die Brücke in festem Gestein dahinter verankern“, meint Heißel, der betont: „Vor 50 Jahren hätte man vielleicht noch was tun können, danach aber nicht mehr.“

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

Im Landeskonservat in Innsbruck ist die Verwunderung ob der neuen Situation groß. Warum man trotz der jahrelangen Vorarbeiten auf dieses Problem erst bei der Brückensanierung kommt, ist dort für Walter Hauser nicht nachvollziehbar. „Haben da alle Gottvertrauen gehabt und nicht genau nachgeschaut?“, fragt sich Hauser verärgert und spricht von einem „Dilemma“, da man nach zwei Jahren jetzt wieder ganz am Anfang stehe und bereits Subventionen geflossen seien.

„Die Frage ist, wie der Brückenerhalt zu welchen Kosten funktionieren könnte“, sagt Hauser. Dass die Kosten nun steigen, stehe außer Frage. „Wahrscheinlich muss das Auflager der Brücke auf der labilen Seite um einige Meter verlängert werden“, sagt Hauser. Das sei aufgrund der tiefen Schlucht eine technische Herausforderung. „Man müsste den Unterbau erneuern, verlängern und Leimbinder verwenden, dann ginge es“, sagt BM Matthias Eberl. Dazu müsse der Denkmalschutz aufgehoben werden, sagt Eberl. Und das wolle Hauser nicht. Der damit konfrontierte Walter Hauser dementiert: „Nur wenn die alte Brücke abgetragen werden soll, muss der Denkmalschutz aufgehoben werden. Wenn man sie während der Verlängerung der Widerlager sichern kann, nicht.“


Kommentieren


Schlagworte