In Licht und Schatten aufgelöste Architekturen

Das Archiv für Baukunst besitzt 10.000 zeitgenössische Fotografien von Holzmeisterbauten. Die 66 besten sind nun in einer Ausstellung zu sehen.

Clemens Holzmeisters Wiener Krematorium, um 1922 vom Fotografen Bruno Reiffenstein in stimmungsvolles Sfumato getaucht.Foto: Archiv für Baukunst
© holzmeister

Von Edith Schlocker

Innsbruck –Der Ehrgeiz des Archivs für Baukunst der Innsbrucker Universität, zum zentralen Ort für die Holzmeister-Forschung zu werden, ist verständlich. Ist Clemens Holzmeister doch einer der wichtigsten österreichischen Architekten des 20. Jahrhunderts, der noch dazu 1886 in Fulpmes geboren worden ist. Viele seiner Zeichnungen, Pläne und Modelle hat der international umtriebige Baukünstler zwar noch vor seinem Tod vor 30 Jahren der Albertina geschenkt, ein kleiner Teil seines Nachlasses kam an die Wiener Angewandte, den Großteil hat aber das Innsbrucker Archiv für Baukunst 2011 gekauft.

Das Konvolut ist beachtlich. Umfasst rund 14.000 Seiten von Holzmeisters Schriftverkehr, mehr als 2000 Presseberichte über seine Bauten, seine Taschenkalender und Notizbücher, viele Bücher, Zeichnungen und Pläne. Sowie rund 10.000 Fotografien seiner Architekturen, die teilweise von renommierten Fotografen „geschossen“ worden sind.

Eine kleine, feine Auswahl von 66 originalen Schwarzweiß-Abzügen – die großformatigen Negativplatten sind zum größten Teil im Zweiten Weltkrieg zerstört worden – ist derzeit im Archiv für Baukunst zu bewundern. Sie sind zwischen 1922 und 1963 entstanden und demonstrieren reizvoll den Wandel des Sehens in der Fotografie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts parallel zu dem der Architektur Holzmeisters.

Ob er genaue Vorstellungen gehabt hat, wie seine Bauten fotografiert werden sollen, ist leider – noch – unerforscht. Mehr wird man darüber wissen, wenn Christian Preining seine Dissertation zu diesem Thema abgeschlossen haben wird. Er ist es auch, der die aktuelle Schau kuratiert hat.

Die chronologisch gehängt ist, beginnend mit den Fotografien, die Peter Paul Atzwanger 1921/22 vom soeben fertig gestellten Wiener Krematorium gemacht hat. Obwohl die Architekturfotografie in seinem Werk nur eine untergeordnete Rolle spielt, sind sie von ganz besonderer Qualität. Unterscheiden sich in ihrer Poesie grundsätzlich von der harten Bildsprache von Julius Scherb, der Ende der Zwanzigerjahre zum „Hausfotografen“ Holzmeisters avancierte.

Er hat den Umbau des Salzburger Festspielhauses dokumentiert genauso wie Holzmeisters eigenes Kitzbüheler „Berghaus“. Nüchtern sind auch die Bildsprachen von Carl Dransfeld, Max Krajewsky, Hugo Schmölz und Martin Gerlach. In ein stimmungsträchtiges Sfumato getaucht sind dagegen die von Bruno Reiffenstein fotografierten Bauten. Seine Architekturen für den Regierungsbezirk in Ankara ließ Clemens Holzmeister von Othmar Pferschy fotografieren. Der es wunderbar verstand, deren formales Pathos durch ein raffiniertes Spiel mit Licht und Schatten effektvoll zu akzentuieren.

Ein komplettes, am Institut für Baukunst erarbeitetes, kritisch kommentiertes Werkverzeichnis Holzmeisters soll in etwa fünf Jahren vorliegen. Mit dem Tiroler Architekten befasst sich auch eine Fachtagung, die in Zusammenarbeit mit der Albertina und dem Deutschen Architekturmuseum Frankfurt/Main vom 17. bis 19. Oktober im Archiv für Baukunst stattfindet.


Kommentieren


Schlagworte