Osttirol fürchtet nach Maut-Klage um Standort

Wirtschaftskammer schlägt Alarm und will um Maut-Rabatte kämpfen. Seilbahner warten ab und setzen weiter auf Einheimischen-Tarife.

Von Claudia Funder und Anita Heubacher

Lienz –Nach der Klage einer deutschen Lenkerin könnten die Mautbegünstigungen am Felbertauern ins Wanken geraten – die TT berichtete. Pkw mit Lienzer-Kennzeichen fahren gratis, Busse und Lkw bekommen einen Maut-Rabatt. Eine ähnliche Regelung gibt es am Brenner. Dort zahlen Stubai- und Wipptaler keine Maut.

Würden die Mautbegünstigungen fallen, wäre das der nächste Dämpfer für die Osttiroler Wirtschaft. Nach einem Felssturz war der Felbertauern wochenlang gesperrt. Auf der Ersatzstraße gibt es während der Wintermonate eine Tonnage- und Längenbeschränkung. „Der Bezirk ist aufgrund der Randlage ohnedies extrem benachteiligt“, erklärt Reinhard Lobenwein, Bezirksstellenleiter der Wirtschaftskammer in Lienz. Osttirol gehöre zu den 30 Prozent der am schlechtesten erreichbaren Gebiete Europas. „Würde der Transport für die Unternehmen teurer werden, würde die Attraktivität des Standortes weiter sinken.“ Die Konkurrenzfähigkeit von zahlreichen Betrieben würde dadurch massiv leiden. Eine Studie habe, so Lobenwein, ergeben, dass allein durch die zweieinhalbmonatige Sperre am Felbertauern Umwegkosten in der Höhe von 1,5 Mio. Euro entstanden seien. Rund 180 Osttiroler Lkw rollen täglich über den Felbertauern, davon 100 über 3,5 Tonnen.

Würden die Mautbegünstigungen fallen, wäre die finanzielle Zusatzbelastung für viele Betriebe deutlich spürbar, auch für die Firma Holz Theurl in Assling. Je mehr die Kosten steigen, desto weniger bleibe dem Unternehmen für das Endprodukt, erklärt Thomas Persau (Logistik Lager). „Wir hoffen, konkurrenzfähig zu bleiben.“ Pro Woche rollen von der Asslinger Firma rund 20 Lkw mit Holz über den Felber nach Nordtirol und Bayern sowie knapp 20 Lkw Sägespäne nach St. Johann in Tirol. Empfindlich spürbar waren die Auswirkungen der Totalsperre. Persau: „Wir bekommen maximal 50 Prozent der Mehrkosten durch Mittel aus dem Fonds ersetzt.“

Begünstigungen für Einheimische gibt es auch an Tirols Liftkassen. Dass die Einheimischen-Tarife fallen könnten, glaubt Seilbahnsprecher Franz Hörl nicht. „Wir befinden uns auf dem sicheren Boden der nationalen Gesetzgebung.“ Die Bedenken der EU gebe es schon lange. Der Grund, warum Einheimischen-Tarife meistens nicht ausgewiesen seien, sei ganz einfach: „Man will sich Diskussionen mit den Gästen an der Kasse ersparen.“

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