Alpine-Pleite: Forderungen in Höhe von über vier Mrd. Euro angemeldet

Nach Prüfung der rund 9600 Einzelforderungen wurde vorerst nur ein Volumen von rund 1,5 Mrd. Euro anerkannt.

Die Alpine Bau GmbH meldete im Juni 2013 Insolvenz an. (Archivfoto)
© Thomas Böhm / TT

Wals – Im Zuge der milliardenschweren Insolvenz des Bauriesen Alpine haben die Gläubiger bis dato 4,15 Mrd. Euro an Forderungen angemeldet, gab Insolvenzverwalter Stephan Riel im Vorfeld der für Mittwoch anberaumten Prüfungstagsatzung bekannt. Nach Prüfung der rund 9600 Einzelforderungen wurde vorerst nur ein Volumen von rund 1,5 Mrd. Euro anerkannt. Die Aktiva der Alpine sind derzeit noch nicht abschätzbar - die Verwertung beispielsweise von Liegenschaften und Baumaschinen läuft derzeit noch. Die Gläubiger werden aber aller Voraussicht nach nur eine Bruchteil ihres Geldes wiedersehen.

Der Kreditschutzverband von 1870 (KSV) rechnet mit weiteren Forderungsanmeldungen und schätzt, dass sich die quotenmäßig zu berücksichtigenden Verbindlichkeiten der Alpine letztlich noch auf 3,4 bis 3,7 Mrd. Euro aufsummieren werden.

Allerdings sollten die Gläubiger mit „keiner wirtschaftlich relevanten Quote rechnen“, teilte der KSV heute, Dienstag, mit - die Gläubiger könnten mit einem Abgleich von bis zu 2 Prozent der Forderungen rechnen. „Das ist aber schon eine Spur optimistisch“, räumte KSV-Insolvenzexperte Hans-Georg Kantner im Gespräch mit der APA ein.

Die Insolvenz und die Schließung des Unternehmens habe natürlich „eine radikale Entwertung der Assets“ ausgelöst. Die Verwertung schreite strukturiert und zügig voran. Alle wesentlichen inländischen Beteiligungen seien rasch verkauft worden. Folgeinsolvenzen in Österreich seien dadurch weitgehend verhindert worden, so der KSV.

Aufarbeitung dürfte sich noch über Jahre ziehen

Dank regionaler Auffanglösungen, also des Einspringens anderer Bauunternehmen, sowie des bereits zu rund einem Viertel verkauften Fahrnisvermögens der Alpine auf den bestehenden Baustellen in Österreich sei auch „ein Großteil der rund 4900 Arbeitsplätze in Österreich erhalten worden“. Jene Baumaschinen und Geräte, die nicht in die regionalen Übernahmen flossen, werden derzeit via Auktionen versteigert.

Die Asphaltmischanlagen der insolventen Alpine Bau GmbH wurden ebenfalls bereits verwertet. Derzeit werden noch weitere Beteiligungen an Vorproduktionsgesellschaften verkauft - die kartell- und gesellschaftsrechtlichen Fragestellungen seien hier „sehr komplex“. Parallel dazu erfolge die Abwicklung von rund 500 Arbeitsgemeinschaften, welchen die Alpine angehörte.

In den kommenden Monaten muss der Masseverwalter auch die Zeit vor der Insolvenzeröffnung detailliert aufarbeiten - etwa Anfechtungsansprüche prüfen oder von der Schuldnerin in Anspruch genommene Beraterleistungen genau durchleuchten.

Die Aufarbeitung der größten Pleite in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wird sich noch über Jahre hinziehen, erwarten die Kreditschützer. „Es ist auch davon auszugehen, dass es zu einer Vielzahl zu Prozessen kommt“, so der KSV. (APA)


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