Pensionist verzweifelt: Er will in seinem Haus bleiben

Delogierung droht noch vor Wintereinbruch. Kappler Bürgermeister verweist auf Gutachten, wonach Sicherheit nicht mehr gewährleistet ist.

Von Helmut Wenzel

Kappl –„Ich kann fast nicht mehr schlafen“, klagt der 75-jährige Pensionist Otto Waibl, „obwohl ich sonst ein gesunder Mensch bin und seit 13 Jahren nicht mehr beim Doktor gewesen bin.“

Waibl lebt alleine in einem jahrhundertealten Haus im Kappler Ortsteil Sommerstadlen. Eine Zufahrt gibt es nicht, nur ein kleiner Fußpfad führt dorthin. „Zu 90 Prozent bin ich Selbstversorger“, schildert der Mindestpensionist, der mit weniger als 800 Euro monatlich sein Auslangen findet. Auf den Steilhängen in der Umgebung baut er Salate, Weißkraut, Karotten und Tomaten an. Im Winter bleibt er bis zu vier Monate im Haus, der Weg ins Tal wäre zu gefährlich. Fad ist ihm nie. „Im Haus und rundherum gibt es immer etwas zu tun.“

„Sie wollen mich noch heuer von diesem schönen Haus wegbringen“, sagt Waibl verbittert und verweist auf die RSb-Briefe der Gemeinde Kappl. „Ich bin hier aufgewachsen, das ist meine Heimat“, beteuert er. „Man will mich in eine Mietwohnung in See bringen. Das überlebe ich nicht und das könnte ich mir finanziell gar nicht leisten.“ Nur wenn er krank wäre, könne er sich vorstellen, das Haus zu verlassen.

Für den Kappler Bürgermeister Helmut Ladner ist es ein nicht alltäglicher Fall: „Es geht um die Sicherheit dieses Hauses, für die ich persönlich verantwortlich bin. An der Rückseite schiebt sich eine Mauer in den Wohnbereich.“

Laut Gutachten sei zwar nicht unmittelbar Gefahr im Verzug, aber bei einem schneereichen Winter sei akute Einsturzgefahr gegeben. Die Gemeinde könne dieses Risiko nicht länger verantworten und müsse dem Bewohner die Benützung des Objekts noch vor dem kommenden Winter untersagen.

Ladner eröffnete dem Einsiedler Waibl zumindest eine theoretische Chance: Experten bzw. Statiker müssten ein Sicherheitskonzept vorlegen. Waibl müsste dann entsprechende Vorkehrungen treffen, damit das Haus bewohnbar bleibt. Dazu müssten auch die Miteigentümer, die nicht mehr in dem Haus leben, einen Kostenbeitrag leisten. Nur würden diese null Interesse an einer Sanierung haben. Hintergrund wären die hohen Kosten, Baumaterialien müssten per Hubschrauber transportiert werden. Laut TT-Informationen könnten die Miteigentümer gerichtlich angehalten werden, die Sanierungskosten im Verhältnis ihrer Anteile zu tragen.

„Uns ist klar, dass Baumaßnahmen zur Sicherung des Hauses schwierig sind“, resümiert Ladner. Auch der Bau einer Zufahrtsstraße sei wegen enormer Kosten „so gut wie unmöglich“. In Absprache mit dem Bürgermeister von See, Anton Mallaun, habe man für Waibl eine Mietwohnung in See reserviert. „Wir haben Waibl dringend empfohlen, die Wohnung anzunehmen“, so der Bürgermeister. Er hofft nach wie vor „auf die nötige Einsicht“ des alten Mannes. Eine Delogierung mit Hilfe der Polizei möchte er „tunlichst vermeiden“.


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