Dem Geiz folgt die Gießkanne

Für eine eher kleine, feinsinnig orientierte, finanziell abgesicherte Zielgruppe reserviert Volkswagen das 265 PS starke und 250 km/h schnelle Golf R Cabriolet.

Eine ältere Produktionstechnik schützt nicht vor neuen Modellen: Das R Cabrio basiert auf der – weiterhin geachteten – sechsten Golf-Generation.Foto: Höscheler

Von Markus Höscheler

Thaur –Vor einigen Jahren zierte sich Volkswagen noch, den Bestseller Golf allzu sehr auszureizen. Bei der Einführung des Kombis Variant gab es Verzögerungen, anstelle eines Cabrios musste der Eos mit zusammenklappbarem Hardtop in die Bresche springen. Ein offener GTI schien sowieso außer Reichweite. Mittlerweile sieht es anders aus, auf den maßvollen Geiz folgt die Anwendung des Gießkannenprinzips: Die Wolfsburger wollen für jeden Geschmack das Passende produzieren.

Vom aktuellen Golf, als siebte Generation auf dem Markt, gibt es die Schräghecklimousine, das Langheck Variant, den GTI und den GTD, bald das Topmodell R mit 300 PS. In den nächsten Monaten folgen Erdgasversion, Elektroantrieb und der Golf-Plus-Nachfolger Sportsvan. Als Vertreter der Golf-Generation Nummer sechs rundet das Cabriolet mitsamt GTI und neuerdings R-Variante das Kompaktwagensortiment eindrucksvoll ab. Der zuletzt Genannte stand einige Tage im TT-Testfuhrpark, um auf eine Schönwetterperiode zu warten. Er unterscheidet sich vom verlöteten R-Modell nicht nur bei der Produktionsbasis, sondern auch bei der Antriebsart. Der neue Golf R, 300 PS stark, zählt auf Allradantrieb, das Golf R Cabriolet beschränkt sich auf eine angetriebene Vorderachse. Die ist in der Lage, 265 PS und ein Nenndrehmoment von 350 Newtonmetern (ab 2000 Umdrehungen/Minute) zu verkraften – und im Idealfall in kraftvollen Schub umzuwandeln. In 6,4 Sekunden stürmt das höchst kultivierte Golf R Cabriolet von null auf 100 km/h, erst bei 250 km/h geht der Beschleunigungsreigen zu Ende.

Das Fahrwerk ist zwar sportlich ausgerichtet, die Lenkung präzise – und doch dürfen die Insassen, bis zu vier, auf den üblichen Restkomfort vertrauen, den die VW-Techniker allgemein ihren Fabrikaten spendieren. Ohnedies ist das Golf R Cabriolet gut bestückt, was sich allerdings im Basispreis von 50.210 Euro niederschlägt. Er enthält die praktische Sechsgang-Doppelkupplung (DSG), die rasch und nahezu ohne Zugkraftunterbrechung die Stufen wechselt. Der Sportmodus lässt höhere Drehzahlen zu, ehe das DSG die nächste Übersetzung wählt.

Den Erwartungen an die Marke und an die Type entsprechen die Qualität des Interieurs und dessen Verarbeitung. Ab Werk ist beispielsweise die Sportsitz-Lederbestuhlung Vienna mitsamt R-Logo an Bord, Sportfahrwerk inklusive einer um 25 Millimeter tiefergelegten Karosserie verstehen sich fast von selbst, eine Zweizonen-Klimaanlage, Edelstahl-Pedalerie, die elektronische Differenzialsperre XDS und zwei Abgasendrohre gleichermaßen.

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

Kommentieren


Schlagworte