Das Spielmobil für gut Betuchte

Vespa bringt mit der 946 den exklusivsten Serienroller aller Zeiten – auch zu einem exklusiven Preis.

Täglich stellt Piaggio nur zwölf Stück der rund 9000 Euro teuren Vespa 946 her. Bestückt ist sie mit einem 12,5 PS starken Einzylinder mit 125 Kubikzentimetern Hubraum.Foto: FF

Von Franz Farkas

Wien –2011 stand auf der Motorradmesse Eicma in Mailand eine Studie, die spontane Begeisterung unter den Besuchern auslöste. Mit der Vespa 946 war den Designern ein Spagat gelungen: Einerseits eine Hommage an den M6, den ersten Prototypen von 1946, ist diese Vespa andererseits doch ein ganz moderner Roller, wie er auch noch in zehn Jahren bestehen kann. Nun hat man sich bei Piaggio entschlossen, die 946 in Serie zu produzieren und es wurde die Studie von 2011 faktisch 1:1 umgesetzt. Ohne Pomp und Vorankündigungen wurde der Roller zu den Händlern gestellt, eine eher unübliche Vorgangsweise.

Ganze zwölf Stück werden pro Tag auf einer eigenen Linie im oberitalienischen Pontedera mehrheitlich in Handarbeit gebaut. Technisch basiert der Roller auf den „kleinen“ LX- und S-Modellen, mit einem Dreiventil-Einzylinder-Viertaktmotor bestückt, der 12,5 PS aus 125 cm³ leistet und sehr sparsam mit dem Sprit umgeht. Serienmäßig gibt es ein Zweikanal-Integral-ABS sowie eine Antischlupfregelung. Beim Pressblech-Chassis ist man entgegen ersten Ankündigungen geblieben, nur die Seitenteile und der Frontkotflügel sind aus Aluminium, um Gewicht zu sparen. Das gilt auch für die Schale des frei schwebenden Sattels, der der Linie des Scooters ihren besonderen Schwung verleiht. Natürlich ist nun kein Platz mehr für ein Helmfach, doch das hatte das Vorbild von 1946 auch nicht. Bei Piaggio behauptet man, zwei Personen hätten locker Platz auf der Bank, doch sie müssen wohl sehr kuscheln.

Nicht sattsehen kann man sich an den vielen liebevollen Details, wie etwa dem Öffnungsmechanismus des Faches unter der Bank, wo nur noch Papiere und ein kleiner Bordwerkzeugsatz Platz finden, dem Gepäckhaken, den handgenähten Griffen oder dem „946“-Schriftzug im Reflektor des Voll-LED-Frontlichtes. Modernste Technik findet sich bei den Armaturen, sie sind erstmals bei Vespa voll digital ausgeführt. Eine Kommunikation mit dem Smartphone ist möglich, wie wir es schon von einigen Piaggio-Modellen kennen. Die Verarbeitung ist bis auf Kleinigkeiten ausgezeichnet, wie man es bei einem derart exklusiven Fahrzeug erwarten darf.

Exklusiv ist zudem der Preis, denn immerhin wollen 9000 Euro über die Theke des Händlers geschoben werden, um vom Hof zu fahren. Wer es noch exklusiver will, der kann mit einem Echtledersattel, einem Gepäcksträger samt Helmtasche oder einem kleinen Koffer den Preis nochmals locker um einen Tausender in die Höhe treiben. Hierzulande haben schon Sammler und Liebhaber zugeschlagen, die befürchten (oder hoffen), dass Piaggio die 946 einstellen wird. Derzeit allerdings schaut es nicht so aus, laut Importeur Faber in Wien „baue man auf Bestellung“.


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