Wunschkonzert mit Live-Looper VZI: Gute Laune in Dauerschleife

Der Unterländer Patrick Hanser álias VZI gehört zur seltenen Spezies der Live-Looping-Künstler. Wie man ganz alleine live einen Song produziert und dazu in Mundart singt, zeigte er beim TT-Wunschkonzert in seiner Heimat Söll.

Von Simon Hackspiel

Söll – Patrick Hanser checkt die Instrumente, setzt sein Headset auf und fährt die Regler hoch. Aber anstatt gleich zu einem Kunstflug abzuheben, vollführt der Mann, der sich kurz einfach nur VZI („Fautsie“) nennt, lieber Loopings rein musikalischer Natur.

Musikalischer Steckbrief: 2000 bis 2003 spielte Patrick Hanser bei der Reggae-Band „InnAValley“, 2004 bis 2008 bei den „Zuagroasten“. 2007 Start in sein Soloprojekt „VZI“: 2010 erstes Studioalbum „LoopyTunes“, 2012 Album „Des is a Einstellungssoch“.

Für sein TT-Wunschkonzert hat VZI zur Live-Looping-Session in seinen hauseigenen Garten in Söll im Tiroler Unterland geladen. Unter einem Sonnenschirm steht der 33-Jährige vor einem Hightech-Mischpult, dem technischen Herzstück seines kreativen Schaffens. Mehrere Musikinstrumente liegen um ihn herum in der Wiese verstreut. Es erweckt den Anschein, als müsste jeden Moment eine mehrköpfige Band die Szenerie betreten.

Sänger, Band und Produzent in einem

Aber VZI kommt ohne Unterstützung aus, schließlich ist er Sänger, Band und Produzent in einem. Er drückt den Aufnahmeknopf, spielt ein paar Akkorde am Keyboard und drückt wieder einen Knopf. Schon läuft das gerade Gespielte in Dauerschleife. Dann folgt die selbe Prozedur mit Trompete, Gitarre und Drum-Computer. Ein paar Töne hier, ein paar Akkorde da, unterlegt mit einem satten Beat, noch ein paar Effekte drauf und fertig gebastelt ist der Gute-Laune-Tune zum Mundart-Reggaesong „Wenn du moanst“.

Das Markenzeichen von VZI ist eben nicht nur, dass er live bis zu zehn Instrumente spielt und direkt verarbeitet, sondern auch, dass er im Unterländer Dialekt rappt bzw. singt. Das war nicht immer so, auf seiner ersten CD „Loopy Tunes“ ist Englisch die dominante Sprache. „Im Dialekt kann ich Alltagssituationen einfach besser ausdrücken. Auch das mit dem Humor fällt mir leichter“, begründet VZI den Schwenk zum Tirolerischen auf seinem aktuellen Album „Des is a Einstellungssoch“.

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Mit viel Witz durch verschiedenste Genres

Mit viel Witz und Ironie verarbeitet VZI in seinen Texten das, was ihm im Leben so widerfährt. Im Lied „Hopp hopp gemma gemma“ schimpft er als strenger Chef mit den Lehrlingen (Hanser ist gelernter Elektriker), in „Mei wenn i des kannt“ kämpft er im Spanienurlaub mit seinen mangelnden Sprachkenntnissen. Und in so manchem Song stellt er mit deutlichen Worten klar, dass er nicht einfach nur DJ ist. „Wenn ich auftrete, meinen viele Leute ich lege Platten auf und spiele halt ein paar Instrumente dazu. Aber in Wahrheit steckt da sehr viel mehr dahinter“, erklärt VZI. „Live entsteht meine Musik meistens spontan, ich experimentiere auf der Bühne.“ Je nach Location wechselt er zwischen Reggae, Latin, Funk, Elektro, Dubstep, HipHop und auch volkstümlichen Klängen. Aber egal was für ein Genre, Konzentration ist beim Live-Looping das Um und Auf. „Zu Wissen was passiert, wenn man einen gewissen Knopf drückt, ist das Schwierigste“, meint VZI. „Da musst du immer voll bei der Sache sein.“

Dass sein außergewöhnliches Konzept gut ankommt, beweisen die immer häufiger werdenden Auftritte. Im Sommer trat der Multiinstrumentalist bei mehreren Festivals auf, darunter beim Chiemsee Reggae Summer. Vergangenen Samstag spielte er als Support von Bauchklang im Innsbrucker Treibhaus. Diesen Freitag, den 11. Oktober ist VZI beim Kaunertal-Opening live zu erleben.

Mehr Konzerttermine und Infos unter: http://www.vzi-live-looping.com

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Fünf Fragen an: VZI

Was ist die größte Herausforderung für dich beim Live-Loopen?

VZI: Dass ich immer Herr der Lage bleibe. Die Zuhörer dürfen die Technik nicht mitbekommen, die Übergänge müssen flüssig sein. Musikalisch weiß ich ja wo meine Grenzen sind. Weil ich alles ein bisschen spiele, habe ich kein Instrument, das ich perfekt beherrsche. Angefangen habe ich mit Trompete, später brachte ich mir Gitarre und Bass bei. Dann Percussion, Didgeridoo, Melodika und Mundharmonika. Und ich habe immer Interesse an neuen Instrumenten.

Auf dem Albumcover von „Des is a Einstellungssoch“ hast du Dreadlocks. Diese hast du dir im Video zum Song „Rest in Peace“ abgeschnitten ...

VZI: Ja, ich wollte diesen Akt einfach verewigen. Die langen Dreads waren mir eigentlich schon länger zu lästig. Das Gewicht war extrem, vor allem wenn sie nass waren. Außerdem bin ich in Bayern immer von der Polizei aufgehalten worden. Seit ich sie abgeschnitten hab, lassen mich die Bullen in Ruhe. Ich mach jetzt einen Song darüber, wie krass der Unterschied ist. (lacht)

Hast du eigentlich schon ein neues Album in Planung?

VZI: Noch diesen Herbst kommt eine Gratis-LP zum Download, also kein wirkliches Album. Auf CD werde ich nur eine kleine Auflage rausbringen.

Wie funktionieren diese Livestream-Sessions, die du immer wieder machst?

VZI: Ich gebe quasi ein Konzert über meine Homepage. Die Zuhörer können mir dabei direkt schreiben, welchen populären Song ich in die Loops einbauen soll. Ich versuche, die Vorschläge dann möglichst kreativ umzusetzen. Das ist eine super Herausforderung, zudem bringt es Interaktivität.

Du machst nicht nur Musik, sondern produzierst auch und schneidest Videos. Würdest du dich als Einzelgänger bezeichnen?

VZI: Nicht wirklich, ich bin ja auch in Bands aktiv. Bei der Unterländer HipHop-Crew Rebel Musig Crew spiele ich Trompete, vergangenen Winter hatte ich ein Projekt mit dem Tiroler Percussionisten Charly Mair und einem britischen Soulsänger. Als VZI tendiere ich schon dazu vieles selbst zu machen. Aber mir geht es nicht darum, alle Fäden bei mir zu halten.


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