Friedenspfeife statt Krach: ÖBB in Italien „ein Renner“

Die Ende 2009 von ÖBB und Deutscher Bahn gestarteten Italien-Züge wurden zum Erfolg – und ersparen Tirol Hunderttausende Pkw-Fahrten.

Von Alois Vahrner

Innsbruck –Mit dem Start des Winterfahrplans vor knapp vier Jahren hatten die ÖBB und die Deutsche Bahn gemeinsame Züge nach Italien gestartet, um „den Italien-Verkehr deutlich zu verbessern und dauerhaft abzusichern“. Was bei den Italienern offenbar als Kampfansage aufgefasst wurde. So wurde den neuen Konkurrenten eine ganze Reihe von Hürden in den Weg gelegt, unter anderem wurde ein Halteverbot bis zum Endbahnhof verhängt.

Mittlerweile ist der Konflikt verraucht, die Italiener würden das neue Angebot sogar positiv sehen, sagt ÖBB-Fernverkehrschefin Silvia Kaupa gegenüber der TT. „Wir haben mittlerweile eine sehr gute Kooperation.“

Derzeit fahren täglich drei Züge von München nach Verona und retour sowie je einer von München nach Bologna bzw. Venedig und retour. Im ersten vollen Jahr 2010 wurden bereits 400.000 Fahrgäste transportiert, heuer dürfte sich diese Zahl auf 750.000 ebenso wie die Umsätze fast verdoppelt haben. Allein heuer gab es ein Passagierplus von 25 bis 30 %, sagt Kaupa. Grob gerechnet würden die Züge etwa 200.000 Pkw-Fahrten durch und nach Tirol ersparen. „Urlaub mit der Bahn hat wieder Charme und wird bei entsprechender Qualität stark genützt.“ Die Italien-Züge seien „ein Renner“, die Auslastung liege mit durchschnittlich 300 Reisenden bei 75 %. Höher ausgelastet sind die ÖBB-Züge nur auf der Strecke zwischen Wien und St. Pölten.

In Bozen haben die ÖBB seit Kurzem gemeinsam mit der Deutschen Bahn ein eigenes Reisebüro, außerdem gibt es eigene Verkaufsstellen in Mailand und Verona. Ab Frühjahr 2014 werde es einen zweiten Zug über Verona nach Bologna und damit den Anschluss ans Trenitalia-Hochgeschwindigkeitsnetz geben, kündigt Kaupa an.

Verbesserungen planen die ÖBB auch im innerösterreichischen Reiseverkehr. Mit dem neuen Winterfahrplan wird die Fahrzeit mit dem Railjet von Innsbruck nach Wien von derzeit 4 Stunden 15 Minuten auf nur noch 4 Stunden 9 Minuten sinken. In Imst-Pitztal und Ötztal-Bahnhof wird es Railjet-Halte geben, im Unterland werden Railjets künftig auch in Jenbach, Wörgl und Kufstein (von dort 3 Stunden 45 Minuten und damit 25 Minuten schneller nach Wien) halten.


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