Wo wird Berlusconi Sozialdienst leisten? Vereine werben um Medienzar

Am wahrscheinlichsten gilt, dass sich Berlusconi für eine therapeutische Wohngemeinschaft für Drogenabhängige in Rom entscheidet, die von dem verstorbenen Priester Mario Picchi gegründet worden war.

Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi.
© Reuters

Rom – Wo wird Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi Sozialdienst leisten? Die Frage beschäftigt seine Rechtsanwälte, die bis Anfang nächster Woche bei den Justizbehörden den Antrag auf gemeinnützige Arbeit in Rom für ihren Mandanten einbringen müssen. Die Verteidiger Berlusconis haben dieser Tage die Leiter einiger Gemeinschaften und Verbände getroffen, in denen der Medienzar den Sozialdienst leisten könnte.

Am wahrscheinlichsten gilt, dass sich Berlusconi für eine therapeutische Wohngemeinschaft für Drogenabhängige in Rom entscheidet, die von dem verstorbenen Priester Mario Picchi gegründet worden war. In derselben Gemeinschaft hatte auch der wegen Richterbestechung verurteilte Ex-Rechtsanwalt Berlusconis, Cesare Previti, Sozialdienst als alternative Maßnahme zur Haft geleistet, berichtete die Tageszeitung „Corriere della Sera“ am Dienstag.

Als Alternative kommt die Menschenrechtsorganisation „Hände weg von Kain“ in Frage, die sich gegen die Todesstrafe, sowie für Reformen im Strafsystem und in den italienischen Gefängnissen einsetzt. In dieser Organisation hatten die wegen Terrorismus verurteilten Rechtsextremisten Giuseppe Valerio Fioravanti und Francesco Mambro im Rahmen einer Vollzugslockerung gearbeitet.

Um Berlusconi buhlt auch ein Verein, der sich für Opfer von Justizfehlern einsetzt, ein Thema, das dem Medienzaren am Herzen liegt. Berlusconi selber hält sich seit jeher für Opfer einer Justizkampagne gegen ihn. Der Sitz der Organisation ist jedoch in Mailand, während Berlusconi die gemeinnützige Arbeit in Rom und nicht in seiner Heimatstadt Mailand leisten will. Zuletzt hatte er deswegen seinen Wohnsitz von Mailand in die italienische Hauptstadt verlegt.

Sozialdienst habe den Vorteil, dass dabei die Auflagen für die Bewegungsfreiheit weniger strikt seien, auch sei der Kreis der Gesprächspartner nicht so eingeschränkt wie beim Hausarrest, berichteten Experten. Sozialdienste würden ihm außerdem eine zweimonatige Verkürzung der Strafe ermöglichen. Unter Hausarrest könnte Berlusconi nur seine engsten Angehörigen, die mit ihm wohnen, und seine Rechtsanwälte treffen. Um die Spitzenrepräsentanten seiner Partei treffen zu können, müsste Berlusconi stets bei Gericht um Erlaubnis bitten. (APA)


Kommentieren


Schlagworte