Im langen Rock zum Gipfelglück

Auch wenn sie nicht immer so im Vordergrund standen wie Männer, wenn ihre Leidenschaft nicht gutgeheißen wurde: Frauen waren vom Anbeginn des Bergsteigens mit dabei – und oft sogar in der ersten Reihe. In einem neuen Buch sind ihre Geschichten aus Vergangenheit und Gegenwart nachzulesen.

Von Irene Rapp

Sie war privilegiert. So vom Schicksal verwöhnt, dass sie 1881 in einer Hütte am Montblanc nicht wusste, wie die Schuhe anzuziehen waren – weil das bislang immer eine Bedienstete getan hatte. Doch das konnte Elizabeth Burnaby nicht aufhalten. Die Britin sicherte sich durch 130 große Touren, davon 26 Erstbesteigungen und elf Winter-Erstbegehungen, einen Platz in der Alpingeschichte. Fotografierte und wurde dafür ausgezeichnet, schrieb Bücher bzw. hielt Vorträge über ihre Abenteuer in den Bergen.

„Sie hat mich beeindruckt, denn sie muss eine enorme Schaffenskraft gehabt haben“ sagt Caroline Fink. Die Schweizerin hat sich gemeinsam mit der Deutschen Karin Steinbach mit dem Thema Frauen und Alpinismus beschäftigt. Und ist dabei auf viele mehr, aber auch weniger bekannte Frauen gestoßen, die von Beginn der Alpingeschichte an in den Bergen unterwegs waren. „Diese Fülle von Frauen hat uns überrascht“, sagt Fink – und hat die beiden Autorinnen vor Herausforderungen gestellt. Denn auch wenn in ihrem Buch „Erste am Seil. Pionierinnen in Fels und Eis“ an die 230 Namen festgehalten worden sind, „hätte man noch viel mehr erwähnen können, die tolle Dinge geleistet haben.“

Eines haben aber alle Frauen gemeinsam, ob in Vergangenheit oder Gegenwart. „Die Grundmotivation, in die Höhe zu gehen, war immer dieselbe“ sagt Fink. Neugierde. Abenteuerlust. Den Alltag hinter sich lassen. Das wollte auch Elizabeth Burnaby. Doch die Reaktionen waren wenig positiv. „Haltet sie vom Bergsteigen ab. Sie stößt ganz London vor den Kopf und sieht schon aus wie eine Indianerin“, meinte eine ihrer Großtanten. Umsonst. Die Abenteurerinnen von gestern wagten sich dennoch in die Höhe und weil ihnen die Männer schon bei vielen Erstbegehungen zuvorgekommen waren, konzentrierten sie sich auf Wintererstbegehungen – die oft um vieles härter waren.

Die Abenteurerinnen von heute wiederum ließen anderweitig aufhorchen. So wie Monica Jackson. Caroline Fink hat die 93-Jährige – wie einige andere Heldinnen ihres Buches auch – persönlich kennen gelernt und sich von ihren Berggeschichten erzählen lassen. „Jackson organisierte 1955 die erste Frauenexpedition in den Himalaja“, sagt Fink. Bei Erdbeerkuchen und Tee tauschten sich die zwei Frauen aus, „sie strahlt eine enorme Ruhe aus. Es ist ein Privileg, solche Menschen kennen zu lernen.“

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Und die Männer? Vorbehalte gab und gibt es immer noch. „Ich hab’ schon von Bergführern gehört, die sagen, es lohnt sich nicht, Frauen zu fördern, weil die mit 25 Jahren ein Kind bekommen. Diese Bilder im Kopf existieren noch“, betont Fink. Andere wiederum unterstützen Frauen. Die Italienerin Nives Meroi, die zahlreiche Achttausender erstbestiegen hat, ist z. B. viel mit ihrem Mann unterwegs. „Ich hab’ sie gefragt, ob es für ihn kein Problem ist, wenn immer nur über sie gesprochen wird“, erzählt Fink. Die Antwort von Meroi: „Ach wissen Sie, ich bin mit einem intelligenten Mann zusammen.“


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