Menschenrechtsorganisation in Russland mit Ennals-Preis geehrt

JMG setzt sich in Tschetschenien ein. Die Organisation erhält 16.310,55 Euro.

(Symbolbild)
© AP

Genf – Der Martin-Ennals-Preis für Menschenrechte geht heuer nach Russland. Der Preis wurde am Dienstag in Genf der Joint Mobile Group (JMG) verliehen. Die russische Organisation setzt sich für die Einhaltung der Menschenrechte in Tschetschenien ein. Jury-Präsident Hans Thoolen erklärte, dass sich die Jury für die russische Organisation entschieden habe, weil sie Mut beweise, Risiken trotze und eine innovative Vorgehensweise habe.

Der Martin-Ennals-Preis sei sehr wichtig für seine Organisation und sorge für zusätzlichen Schutz, sagte JMG-Grüner Igor Kalyapin vor den Medien. Die JMG habe eine neue Methode entwickelt, die es den russischen Behörden erschwere, gegen die Gruppe vorzugehen: Sie arbeitet mit Freiwilligen im Rotationsprinzip.

Jeder Freiwillige - darunter Menschenrechtsaktivisten und Journalisten - gebe ein bis drei Monate seiner Zeit her. „Es ergibt keinen Sinn, ein Mitglied der JMG zu töten“, erklärte Kalyapin. „Er würde sofort ersetzt.“

Kalyapin hatte die JMG ins Leben gerufen, nachdem mehrere Menschenrechtsaktivisten in Russland ermordet worden waren. Die JMG-Mitglieder untersuchen in Tschetschenien begangene Menschenrechtsverletzungen. Ihre Informationen machen sie öffentlich oder setzen sie in Gerichtsverfahren ein.

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In Tschetschenien würden Sicherheitskräfte unbestraft Menschen entführen, foltern und töten, sagte Kalyapin weiter. Die kleinste Kritik gegen die Behörden von Grozny löse eine Untersuchung aus, danach verschwinde die Person oft spurlos.

Der Martin-Ennals-Preis wird jedes Jahr von internationalen Menschenrechtsgruppen vergeben. Er ist mit 20.000 Franken (16.310,55 Euro) dotiert. Die Auszeichnung erinnert an Martin Ennals (1927-1991), den ersten Generalsekretär von Amnesty International.

Nominiert für den Preis waren neben der JMG auch die ägyptische Aktivistin Mona Seif sowie Mario Joseph, Menschenrechtsanwalt auf Haiti. Sie erhalten je 5000 Franken.

Moskau verhinderte die Abspaltung Tschetscheniens von Russland in zwei Kriegen. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion sagte sich die Kaukasus-Region 1991 einseitig von Moskau los und betrachtete sich in der Folge als unabhängig. 1994 startete Russland seinen ersten Tschetschenien-Feldzug, doch musste die russische Armee nach 21 Monaten das Feld geschlagen räumen.

Im Oktober 1999 marschierten erneut russische Soldaten in Tschetschenien ein. Zwar war der Krieg nach wenigen Monaten beendet - der Konflikt dauert jedoch seither an. Mit Anschlägen trugen islamistische Terroristen den Konflikt mehrmals nach außen, so bei den Geiselnahmen in einem Moskauer Musical-Theater 2002 und in einer Schule im nordossetischen Beslan 2004 mit Hunderten Toten. Seit 2003 wird Tschetschenien von Moskau-treuen Republikchefs beherrscht. Achmat Kadyrow starb 2004 bei einem Bombenanschlag, seitdem regiert dessen Sohn Ramsan Kadyrow. (APA/sda)


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