Libyen verlangt Auslieferung von mutmaßlichem Al-Kaida-Planer

Die US-Botschafterin wurde nach umstrittener Festnahme al-Libis einbestellt.

© Navy Visual News Service

Tripolis – Nach der Festnahme eines mutmaßlichen Al-Kaida-Planers durch US-Spezialkräfte in Libyen pocht die verärgerte Regierung in Tripolis auf Konsequenzen. Justizminister Salah al-Marghani habe die US-Botschafterin Deborah Jones am Montag zu sich zitiert und ihr eine Reihe von Fragen gestellt, teilte das libysche Außenministerium am Dienstag mit. Ministerpräsident Ali Seidan und der Kongress verlangten die sofortige Auslieferung Abu Anas al-Libis.

Libyens Regierung hatte nach der US-Kommandoaktion gegen al-Libi in der Hauptstadt am Samstag von einer „Entführung“ gesprochen und betont, sie sei in das Vorgehen der USA nicht eingeweiht gewesen. Ministerpräsident Seidan verlangte am Dienstag, al-Libi der libyschen Justiz zu überstellen. „Wir bestehen darauf, dass libysche Staatsangehörige in Libyen vor Gericht gestellt werden, und Libyen wird seine Bürger nicht für Prozesse in andere Länder ausliefern.“

Der libysche Kongress schloss sich dem Appell an und verurteilte die US-Aktion als „frappierende Verletzung der Souveränität“ des Landes. Der libyschen Regierung und der Familie al-Libis müsse es ermöglicht werden, Kontakt zu dem Festgenommenen aufzunehmen. Al-Libi brauche darüber hinaus Zugang zu einem Rechtsanwalt, hieß es in einer Erklärung.

Der Chef der UN-Mission in Libyen, Tarek Mitri, forderte ebenfalls Aufklärung von Washington. Libyen habe das Recht, die Hintergründe der Entführung zu erfahren und die Einhaltung nationalen und internationalen Rechts zu verlangen.

Die USA werfen al-Libi die Beteiligung an den Anschlägen auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania im Jahr 1998 mit mehr als 200 Toten vor. Der 49-Jährige wurde nach US-Angaben nach seiner Festnahme auf einem Kriegsschiff verhört, das in der Region kreuzt. Anschließend dürfte er nach New York gebracht werden, wo ihn ein Prozess vor einem US-Bundesgericht erwartet.

US-Außenminister John Kerry hatte die Aktion zur Ergreifung al-Libis als „legal“ verteidigt. Diese „Schlüsselfigur von Al-Kaida“ sei ein „angemessenes Ziel“ für das US-Militär gewesen. (APA/AFP/Reuters)


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