Gleich und Gleich gesellt sich gerne: Das gilt auch für Schimpansen

Das ähnliche Verhaltensmuster bei Menschen und Schimpansen könnte noch von gemeinsamen Vorfahren stammen. Die Forscher ziehen den Schluss aufgrund langjähriger Beobachtungen.

Der letzte gemeinsame Vorfahr von Mensch, Schimpanse und Gorilla konnte der Studie zufolge bereits Alkohol abbauen.
© dpa/Holger Hollemann

Wien – Ähnlich wie Menschen bevorzugen auch Schimpansen enge Kontakte mit Artgenossen, die ähnlich gesellig, mutig oder schüchtern sind wie sie selbst. Das fanden Forscher der Uni Wien und der Uni Zürich heraus. Dazu hatten sie in zwei Zoos über Jahre hinweg Schimpansen-Gruppen in ihrem Verhalten beobachtet. Die Gründe dafür sehen die Forscher in ihrer im Fachjournal „Evolution and Human Behaviour“ veröffentlichten Untersuchung darin, dass die Zusammenarbeit zwischen den Tieren so zuverlässiger funktioniert.

Als klares Zeichen für Freundschaft zwischen den Menschenaffen gilt das Ausmaß an Körperkontakt zwischen den verschiedenen Mitgliedern einer Gruppe, erklärte Jorg Massen vom Department für Kognitionsbiologie der Universität Wien in einer Aussendung. Neben den Verhaltensstudien stützten sich die Wissenschafter bei ihren Schlussfolgerungen auf Verhaltensexperimente. So sammelten sie Informationen darüber, ob jene Schimpansen, die viel Zeit miteinander verbrachten, ähnliche oder unterschiedliche Persönlichkeitsstrukturen zeigen.

„Wir fanden heraus, dass unter nicht verwandten Freunden die geselligsten und mutigsten Individuen die Gesellschaft von anderen sehr geselligen und mutigen Tieren bevorzugten, während schüchterne Schimpansen die meiste Zeit mit ähnlich scheuen Artgenossen verbrachten“, so Massen. Warum das so ist, dafür haben die Forscher eine Vermutung: Wenn die befreundeten Schimpansen ähnliche Verhaltensmuster zeigen, funktioniert auch die Zusammenarbeit zwischen den Tieren besser und zuverlässiger.

Da auch bei Menschen ein starker „Ähnlichkeits-Effekt“ bei der Auswahl von Freunden beobachtet werden kann, schließen Massen und seine Kollegin Sonja Koski von der Universität Zürich darauf, dass diese Verhaltenstendenz noch von den letzten gemeinsamen Vorfahren stammen könnte. „Es scheint, dass die Ähnlichkeit in Verhaltensmustern wie Geselligkeit und Mut das ist, was Freundschaften sowohl zwischen Schimpansen als auch zwischen Menschen entstehen lässt und sie in weiterer Folge zusammenhalten lässt“, so Massen. (APA)

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