Weißblaues Blitzlichtgewitter

Die bayerische Polizei wird eine Woche lang 1500 Punkte per Radar überwachen. Innenminister sieht keine Notwendigkeit für generelles Tempolimit auf Autobahnen.

Von Wolfgang Otter

Kufstein, München –Autofahrer, die heute die Grenze von Tirol nach Bayern überqueren, sollten den Fuß vom Gaspedal nehmen und Tachonadel sowie Tempolimit noch genauer im Blick haben. Beim nördlichen Nachbarn bläst heute nämlich die Polizei auf sämtlichen Straßen zum Halali auf Raser, und zwar bundesweit. 15.000 Polizisten an 8700 Stellen sind im Einsatz. Beim 24-Stunden-Blitzmarathon, wie die Aktion scharf heißt, sind alleine in Bayern rund dreimal so viel Radarkontrollen wie an normalen Tagen geplant. Wobei im Freistaat die Kontrolldichte für die Dauer von einer Woche aufrechterhalten bleiben wird. In Bayern sind dabei 2200 Beamte im Einsatz – Tag und Nacht. 1500 Messstellen wurden auserkoren. Praktischerweise hat das bayerische Innenministerium diese im Internet veröffentlicht (www.sichermobil.bayern.de).

„Es geht uns nicht darum, möglichst viele Verkehrssünder zur Kasse zu bitten, sondern wir wollen, dass die Bürgerinnen und Bürger bewusst den Fuß vom Gas nehmen“, erläutert Bayerns Innenminister Joachim Herrmann den Hintergrund für diese Veröffentlichung. Die Polizei will Raser auch möglichst anhalten, „und mit ihnen ein aufklärendes Gespräch führen“, wie Herrmann anfügt.

Autofahrer, die allerdings glauben, dass sie nun mit der Liste im Fahrzeug alle Kontrollen umschiffen können, täuschen sich. Zusätzlich zu den 1500 Messstellen gibt es Zivilstreifen, die unterwegs sind. Außerdem findet sich der Großteil der veröffentlichten Radarpunkte in Bayern auf Landstraßen, jene auf den Autobahnen wurden hingegen nicht alle bekannt gegeben. Dass die Kontrollen besonders auf den Landstraßen stattfinden, hat einen traurigen Hintergrund, wie der bayerische Innenminister ausführt. 2012 wurden in Bayern bei Unfällen mit überhöhter Geschwindigkeit 10.551 Menschen verletzt und 215 getötet. Dabei ereigneten sich rund 80 Prozent aller schweren Verkehrsunfälle auf Landstraßen. Daher ist auch für Herrmann die Einführung einer Mindestgeschwindigkeit auf Autobahnen, wie in Österreich, überflüssig. Dort, wo es gefährliche Stellen gebe, seien ohnedies Tempolimits vorhanden. „Die Landstraßen sind das Problem“, sagt der Innenminister.


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