Wann ist ein Nobelpreisträger Österreicher?

Wann ist ein Nobelpreisträger Österreicher? Diese nicht nur für politische Gratulanten interessante Frage lässt sich nicht so leicht beantworten - kommt es auf den Geburtsort an, die Staatsbürgerschaft, den geografischen Schwerpunkt seiner Tätigkeit?

Martin Karplus ist der 17. Nobelpreisträger, der in den Grenzen des heutigen Österreich geboren wurde.
© Reuters

Wien – Das Nobelpreiskomitee selbst hat sich in seiner jüngsten Nationalitäten-Liste dafür entschieden, den Geburtsort heranzuziehen und ordnet dabei nach dem Namen des Landes zum Zeitpunkt der Geburt des jeweiligen Laureaten. Martin Karplus wäre damit - je nach Zählweise - der 17. oder 30. Nobelpreisträger Österreichs.

Mit dem 1930 in Wien geborenen Karplus, der nach eigenen Angaben nach wie vor die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, sind 17 Nobelpreisträger innerhalb der Grenzen des heutigen Österreichs geboren, insgesamt 30 in einem Gebiet, das zum Zeitpunkt ihrer Geburt zu Österreich gehörte. Sechs Nobelpreisträger waren zum Zeitpunkt der Preisverleihung an einer österreichischen Uni bzw. Forschungseinrichtung tätig.

Im Fall von Karplus sind Geburtsort und Staatsbürgerschaft die einzigen Anknüpfungspunkt an Österreich: Der Wiener wurde bereits im Alter von acht Jahren von den Nazis aus Österreich vertrieben. Damit teilt er seine Kindheitsgeschichte mit Walter Kohn (Chemie-Nobelpreis 1998) und Eric Kandel (Medizin 2000), wobei letztere aber im Gegensatz zu Karplus schon vor der Preiszuerkennung wieder Kontakte in ihre alte Heimat knüpften und etwa Ehrendoktorate heimischer Unis erhielten.

Im Gebiet des heutigen Österreich geboren wurden außerdem Erwin Schrödinger (1887 in Wien; Physik-Nobelpreis 1933), Viktor F. Hess (1883 in Peggau; Physik-Nobelpreis 1936), Wolfgang Pauli (1900 in Wien; Physik-Nobelpreis 1945), Richard Kuhn (1900 in Wien, Chemie-Nobelpreis 1938) Max F. Perutz (1914 in Wien; Chemie-Nobelpreis 1962), Walter Kohn (1923 in Wien; Chemie-Nobelpreis 1998), Richard Zsigmondy (1865 in Wien; Chemie-Nobelpreis 1925), die Medizin-Nobelpreisträger Robert Barany (1876 in Wien; Nobelpreis 1914), Julius Wagner-Jauregg (1857 in Wels; Nobelpreis 1927), Karl Landsteiner (1868 in Wien; Nobelpreis 1930) Karl von Frisch (1886 in Wien; Nobelpreis 1973), Konrad Lorenz (1903 in Wien, Nobelpreis 1973), Eric Kandel (1929 in Wien, Nobelpreis 2000), Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek (1946 in Mürzzuschlag; Nobelpreis 2004), Friedens-Nobelpreisträger Alfred Fried (1864 in Wien; Nobelpreis 1911) und Wirtschafts-Laureat Friedrich August von Hayek (1899 in Wien, Nobelpreis 1974).

Dazu kommen noch Preisträger wie Bertha von Suttner (geboren 1843 in Prag, Friedens-Nobelpreis 1905) oder Fritz Pregl (geboren 1869 in Laibach; Chemie-Nobelpreis 1923), die aufgrund ihres Tätigkeitsschwerpunkts traditionell zwar als „österreichische Nobelpreisträger“ gesehen werden, deren Geburtsort aber „nur“ im Gebiet der damaligen Donaumonarchie lag.

Kaum mit Österreich assoziiert werden folgende Laureaten, die aber vom Nobelpreis-Komitee auf seiner Homepage in der Liste der „Preisträger nach Geburtsland“ unter „Österreich-Ungarn“ bzw. „Kaiserreich Österreich“ geführt werden: Eugene Wigner (geboren 1902 in Budapest, Physik-Nobelpreis 1963), Vladimir Prelog (geboren 1906 in Sarajevo, Chemie-Nobelpreis 1975), Leopold Ruzicka (geboren 1887 in Vukovar; Chemie-Nobelpreis 1939) das Ehepaar Carl und Gerty Cori (geboren jeweils 1896 in Prag; Medizin-Nobelpreis 1947), die beiden Literatur-Nobelpreisträger Shmuel Agnon (geboren 1888 in Buczacz/Buchach (heute Ukraine); Nobelpreis 1966) und Jaroslav Seifert (geboren 1901 in Prag; Nobelpreis 1984), George de Hevesy (geboren 1885 in Budapest; Chemie-Nobelpreis 1943), Albert Szent-Györgyi (geboren 1893 in Budapest; Medizin-Nobelpreis 1937), Isidor Isaac Rabi (geboren 1898 in Rymanow, heute Polen; Physik-Nobelpreis 1944) und der Friedens-Nobelpreisträger Ernesto Teodoro Moneta (geboren 1833 in Mailand; Nobelpreis 1907).

Sechs Personen waren zum Zeitpunkt des Erhalts „ihres“ Nobelpreises an österreichischen Unis bzw. Forschungseinrichtungen tätig: Barany (1914) und Wagner-Jauregg (1927) forschten an der Uni Wien, Pregl (1923) und der aus Frankfurt stammende Medizin-Laureat Otto Loewi (1936) an der Uni Graz, Hess (1936) an der Uni Innsbruck und Lorenz (1973) an der Akademie der Wissenschaften. (APA)


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