Erste Frau am Ruder der US-Finanz: Janet Yellen wird Fed-Chefin

Monatelang stritten Politiker um die Nachfolge von Fed-Chef Ben Bernanke. Nun soll Janet Yellen als erste Frau auf den Chefposten der 100 Jahre alten Notenbank rücken. Sie würde damit eine der mächtigsten Frauen der Welt. Bei der Fed warten wichtige Aufgaben.

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Washington - Janet Yellen soll künftig als erste Frau in der Geschichte die mächtige US-Notenbank Fed leiten. Ihre Nominierung zur Fed-Chefin hat Präsident Barack Obama am Mittwochnachmittag (Ortszeit) offiziell bekanntgeben. Die 67 Jahre alte bisherige Vize-Chefin der Zentralbank soll die Nachfolge von Ben Bernanke (59) antreten, dessen zweite Amtszeit am 31. Jänner ausläuft. Bernanke will kein drittes Mal antreten.

Obama lobte Yellen am Mittwoch im Weißen Haus als „eine der führenden Wirtschaftswissenschaftlerinnen unserer Nation“.

Senat muss Nominierung noch bestätigen

Yellens Nominierung muss vom Senat noch bestätigt werden. Sie wäre die einzige Frau in diesem Amt in der 100-jährigen Geschichte der Fed.

Die Notenbank schwemmt seit Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 die Märkte mit billigem Geld und war so mitverantwortlich für einen Boom der Aktienmärkte an der Wall Street und weltweit. Im Frühjahr kündigte Bernanke den schrittweisen Ausstieg aus dieser Anti-Krisen-Zinspolitik an - die Umsetzung dürfte nun aber weitgehend Yellen überlassen bleiben. Die Aufgabe, den Ausstieg ohne einen Einbruch der Finanzmärkte zu bewerkstelligen, gilt als historisch einmalig und höchst komplex.

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Bernankes Stellvertreterin seit 2010

Yellen ist seit 2010 Bernankes Stellvertreterin und rückte in die Favoritenrolle, nachdem Obamas Wunschkandidat, der frühere US-Finanzminister Lawrence Summers, im September seine Bewerbung zurückgezogen hatte. Seine Nominierung galt als umstritten. Ein breites Bündnis an Kritikern hatte versucht, die Personalie zu stoppen. Im September drängten mehr als 500 Ökonomen Obama in einem Brief dazu, Yellen für den Posten zu nominieren. Summers beugte sich schließlich dem öffentlichen Druck.

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Die Personalie kommt inmitten eines schweren Finanzstreits in Washington. Die US-Regierung muss derzeit ohne Haushalt operieren, nachdem sich der Kongress nicht auf einen Übergangsetat hatte verständigen können. Dies führt zu einem teilweisen Verwaltungsstillstand. Außerdem herrscht Uneinigkeit über die Mitte Oktober anstehende Erhöhung des US-Schuldenlimits. Das Ringen um einen Etat könnte Yellens Nominierung verzögern.

Auch bei Republikanern beliebt

Yellen hat nicht nur bei den Demokraten einen exzellenten Ruf, sondern auch bei den oppositionellen Republikanern. Seit den 70er Jahren arbeitete die Ökonomin immer wieder für die Fed in Washington. Sie war später auch Chefin der Notenbank in San Francisco. Zwischendurch beriet sie den damaligen US-Präsidenten Bill Clinton. „Dr. Yellen ist hervorragend qualifiziert“, hieß es in dem Schreiben an Obama, das unter anderem Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz und ehemalige Vize-Chefs der Fed unterzeichneten.

Als Nummer Zwei ist Yellen eine enge Beraterin von Bernanke und gilt als ausgesprochene Verfechterin der aktuellen Politik des billigen Geldes. Seit mehr als vier Jahren hält die Fed den Leitzins praktisch bei null Prozent. Zudem kauft sie monatlich Anleihen im Wert von 85 Mrd. Dollar (62,6 Mrd. Euro), um die langfristigen Zinsen niedrig zu halten.

IWF warnt US-Notenbanker

Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte angesichts des bevorstehenden Wandels zu einer strengeren Geldpolitik vor einem beispiellosen und komplizierten Prozess. Die Fed müsse das Bremsmanöver der Notenpresse „klar und zeitlich angepasst“ kommunizieren, sagte der Chef der IWF-Kapitalmarktabteilung, Jose Viñals, am Mittwoch. Sonst drohten Turbulenzen auf den Finanzmärkten, besonders in den Schwellen- und Entwicklungsländern.

Werden in naher Zukunft noch keine Änderungen beim Leitzins erwartet, so hat die Fed angedeutet, dass sie bald stufenweise aus den Anleihenkäufen aussteigen dürfte. Viele Experten hatten eine stufenweise Reduzierung der Käufe bereits für September erwartet, aber Bernanke entschied sich unter anderem wegen der nur zögerlichen Erholung am Arbeitsmarkt noch für Zurückhaltung. Möglich wäre, dass der scheidende Fed-Chef - je nach dem, wie sich der Haushaltsstreit und die US-Konjunktur entwickeln - den ersten Schritt noch 2013 nachholt. Die Herausforderung, das Programm im richtigen Tempo ganz abzuwickeln, fällt jedoch Yellen zu. (APA/dpa)


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