„Guardian“ will auch weiterhin Snowden-Informationen herausgeben

Der britische Geheimdienstchef Andrew Parker sieht in Snowdens Enthüllungen Vorteile für Terroristen. Der Journalist Greenwald kündigte Enthüllungen zu Frankreich und Spanien an.

Edward Snowden lebt unerkannt im Asyl in Russland. Der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter will nicht, dass sein Aufenthaltsort bekannt wird.
© Bobby Yip / Reuters

London – Ungeachtet der Warnung des britischen Geheimdienstchefs Andrew Parker will der „Guardian“ auch weiterhin Geheimdokumente des Informanten Edward Snowden veröffentlichen. Alan Rusbridger, Chefredakteur der Zeitung, verteidigte am Mittwoch die Rolle des „Guardian“ als Enthüller der sensiblen Informationen: „Wenn die Regierung keine Diskussion zu diesem Thema führen will, dann ist es die Aufgabe der Presse, eine Debatte anzuregen.“

Rusbridger reagiert damit auf eine Äußerung des Geheimdienstchefs Parker, der öffentlich gesagt hatte, dass Veröffentlichungen wie die der Snowden-Dokumente Terroristen einen Vorteil verschaffen würden.

Im britischen Radio sagte Rusbridger: „Das werden sie immer behaupten. Wenn man in der Geschichte der Geheimdienste liest und zurück auf die 90er Jahre schaut, dann haben die Sicherheitsleute da genau das Gleiche gesagt.“

Der Journalist kündigte an, auch in Zukunft weitere Informationen Snowdens zu veröffentlichen: „Die Dokumente werden derzeit langsam und verantwortungsvoll durchgearbeitet.“

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Auch Greenwald kündigt weitere Enthüllungen an

Nach den Enthüllungen über die Spionage des US-Geheimdiensts NSA in Brasilien hat der Journalist Glenn Greenwald weitere Enthüllungen zu Frankreich und Spanien angekündigt. Alles was er über die Spionage in Brasilien und nun über Frankreich und Spanien habe, werde er gemeinsam mit Zeitungen in diesen Ländern veröffentlichen, sagte der US-Journalist der britischen Zeitung „The Guardian“ am Mittwoch in der brasilianischen Hauptstadt Brasilia vor einem Untersuchungsausschuss des Parlaments, der den Vorwürfen gegen die NSA nachgeht.

„Wir machen Journalismus mit hohem Risiko (...). Ich werde diese Art Journalismus weiter machen bis zur Veröffentlichung des letzten Dokuments“, sagte Greenwald, der von dem früheren US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden eine riesige Menge hochbrisanter Dokumente zur Tätigkeit der NSA erhalten hatte. Auf die Frage, warum er die Dokumente nur nach und nach veröffentlichte, antwortete der Journalist, es brauche Zeit, die Dokumente zu verstehen, doch sei er bemüht, die Öffentlichkeit so rasch wie möglich zu informieren.

Dauerhafter Kontakt zu Snowden

Der Journalist, der im brasilianischen Rio de Janeiro lebt, erklärte, er stehe in dauerhaftem und fast täglichem Kontakt mit Snowden, der sich derzeit an einem unbekannten Ort in Russland aufhält. Der US-Computerspezialist hatte mit Enthüllungen über die weitreichende Überwachung der Telefon- und Internetkommunikation durch die NSA und den britischen Geheimdienst weltweit für Aufsehen und Empörung gesorgt. Bei den Enthüllungen arbeitete er von Anbeginn eng mit Greenwald zusammen.

Brasilianische Medien hatten in den vergangenen Wochen auf der Grundlage von Dokumenten Greenwalds enthüllt, dass die NSA nicht nur die Kommunikation von Präsidentin Dilma Rousseff und ihrer Mitarbeiter, sondern auch von Unternehmen wie dem Ölkonzern Petrobras und Millionen brasilianischer Bürger überwachte. Rousseff sagte deswegen eine Reise nach Washington ab. Am Mittwoch kündigte sie an, im April 2014 in Rio de Janeiro eine internationale Konferenz über die Regulierung des Internets abhalten zu wollen. (APA/dpa/AFP)


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