Treten bis zum Umfallen: Workout für Körper und Seele in New York

Katie Holmes, Hugh Jackman und Brooke Shields - sie alle sind Fans des neuen New Yorker Fitnesstrends: Indoor-Fahrradfahren für Körper und Seele. Für das Strampeln bis zur Erschöpfung geben Teilnehmer Tausende Dollar aus. Die Zahl der Studios wächst rasant.

Von Lisa Maria Hagen, dpa

New York – Die Luft fühlt sich an wie ein warmer, nasser Waschlappen. Kerzenlicht flackert, der Bass der Musik wummert durch den Raum. In der Dunkelheit wiegen sich 60 Körper synchron durch den Raum. „Reißt euch den Hintern auf“, schreit eine Trainerin. „Hier drin seid ihr nur für euch verantwortlich und dafür, alles zu geben!“

Indoor-Fahrradfahren („Spinning“) gibt es seit Jahrzehnten. Kombiniert mit einem speziellen Motivationseffekt soll es auch der Seele guttun - so ist es zum neuen Fitness-Trend in New York geworden. Auch Hollywood-Stars wie Katie Holmes, Hugh Jackman und Brooke Shields sind längst dabei. „Mein Leben ist für immer verändert“, schrieb ein Fan nach der ersten Trainingsstunde beim Kurznachrichtendienst Twitter. Ein anderer twitterte: „Seele gefunden und Körper gerockt. Offiziell besessen.“

Anführer des Trends ist die Fitness-Kette „SoulCycle“, gegründet vor rund sechs Jahren von Julie Rice und Elizabeth Cutler. Kurz nachdem die beiden nach New York gezogen waren, suchten sie ein Ausdauer-Training „zum Verlieben“ - erfolglos. „Es gab genügend Möglichkeiten, Kalorien zu verbrennen, aber keine, die unsere Herzen zum Singen brachte.“

Fitnesssitzungen sind „teils Tanzparty, teils Therapie, teils gemeinsames Stimmungshoch“

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Gemeinsam mit ihrer damaligen Spinning-Trainerin Ruth Zukerman, die inzwischen die Konkurrenz-Kette „FlyWheel“ betreibt, mieteten sie die Räume eines ehemaligen Bestattungsunternehmens im Nordwesten Manhattans, stellten 33 Räder hinein, parkten eine Rikscha mit ihrem Logo vor dem Eingang und warteten auf Kundschaft. Inzwischen hat „SoulCycle“ rund 20 Studios in New York und Los Angeles, zahlreiche weitere sind geplant. Die Trainingsstunden seien nicht nur als pure Fitness-Sitzungen gedacht, sondern als „Erlebnis“, schrieb jüngst das „New York Magazine“: „Teils Tanzparty, teils Therapie, teils gemeinsames Stimmungshoch.“

Strenge Regeln: Handys und Schwätzen verboten

Im Trainingsstudio im New Yorker Bezirk Upper West Side prangen Schwarz auf Weiß die Regeln: Handys und Schwätzen sind während der Spinning-Kurse strengstens verboten. Die Tür schwingt auf, Musik schallt nach draußen, und mit hochroten Köpfen steuern die Teilnehmer auf ihre Spinde zu. Unter ihnen tropft der Schweiß zu kleinen Seen. Danielle Curis blonde Haarsträhnen kleben an ihrer Stirn und verfärben sich dunkelbraun. „Ich habe noch nie gerne Sport gemacht, aber ich bin süchtig nach SoulCycle“, sagt die Hausfrau, die neunmal pro Woche ins Studio kommt. Billig ist das nicht: Pro Jahr zahlt Curis dafür 13 670 Dollar (etwa 10.000 Euro).

Eine solche Stunde Spezial-Spinning bringe „Mut, Selbstwertgefühl, Leidenschaft“, sagt Trainerin Janet Fitzgerald. „Es erinnert die Leute daran, wer sie wirklich sind, was ihre Träume und Ziele sind und hilft ihnen, diese zu verfolgen.“ Sie habe schon Kursteilnehmer gehabt, die dadurch Beziehungen gekittet und Krebs erfolgreich bekämpft hätten. In ihrer nächsten Stunde ruft sie ein zierliches Mädchen mit Ballerina-Dutt nach vorne auf das Podest. 30 Kilogramm habe sie verloren, bald werde sie selbst Trainerin: „Eine Inspiration“, ruft Fitzgerald. Die Gruppe jubelt - und tritt noch fester in die Pedale.

Einige Straßenblocks weiter südlich wird der Gegen-Trend praktiziert: Wellness-Spinning im Wasser. „Schließt die Augen und spürt, wie eure Bewegungen Wellen schlagen“, sagt Trainerin Emma Galand. Popmusik plätschert, das Wasser schäumt und umspielt die Beine der sechs Frauen, die auf Rädern sitzen, die auf dem Boden des mit Wasser gefüllten Schwimmbeckens stehen. Erienne Gale ist zum zweiten Mal dabei. Die Tennis-Trainerin hat kaputte Knie - „für mich ist das die einzige Möglichkeit, fahrradzufahren, weil das Wasser das Gewicht von den Gelenken nimmt.“

Seit April Unterwasserrad-Studio „Aqua“ eröffnet

Seit April gibt es das Unterwasserrad-Studio „Aqua“ in New York, gegründet wurde es von der Französin Esther Gauthier. „Wir konzentrieren uns mehr auf Wellness statt Fitness.“ Die New Yorker wollten eine Auszeit von der Stadt und der Hektik, da ist sie sich sicher. „In anderen Spinning-Studios stopfen sie 60 Leute in einen Raum, dabei soll es doch ein Moment für dich sein - ohne Arbeit, Alltag oder Familie.“

Bei „Aqua“ füllen sich die Kurse bislang jedoch nur langsam - anders als die Stunden der Power-Kette „SoulCycle“. Jeden Montag um punkt 12 Uhr mittags müssen sich Kunden online für die „Cardio Partys“ (etwa „Ausdauertrainings-Partys“) der kommenden Woche anmelden. Wer nur wenige Minuten zu spät ist, landet oft auf der Warteliste. Pedalen-Fan Danielle Curis sitzt jeden Montag pünktlich vor ihrem Computer. „Eine Woche ohne „SoulCyle“ will ich nicht riskieren.“ (dpa)


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