Die richtigen Töne machen aus Blech ein Blatt Papier

Ulfried Gach ist Hörgeräteakustiker und passt die Klangparameter von Hörgeräten an. Einfühlungsvermögen und Ausdauer sind dafür nötig.

Von Julian Bathelt

Innsbruck –Ein schrilles Piepsen ertönt aus den Kopfhörern, die im Hörzentrum von Ulfried Gach aufliegen. Der Hörgeräteakustiker kann die Lautstärke des Tons so weit nach oben drehen, bis dieser mit gesunden Ohren kaum mehr zu überhören ist. „Von 125 bis 8000 Hertz messen wir zuverlässig“, erklärt Gach.

Der gebürtige Steirer ist gelernter Optiker und konnte sich die Tätigkeit als Hörgeräteakustiker lange nicht vorstellen. Sein früherer Chef habe ihn dazu überredet, erinnert er sich: „Irgendjemand musste die Hörgeräteabteilung übernehmen, und das war dann eben ich.“ Es dauerte eine Weile, bis er Interesse für das Handwerk entdecken konnte und sich davon faszinieren ließ, ehe er die Ausbildung zum Hörgeräteakustiker absolvierte.

Vor elf Jahren begründete er das Hörzentrum in Innsbruck mit und kehrte seiner Laufbahn als Optiker endgültig den Rücken. Menschen mit Hördefizit soll im Hörzentrum eine gewisse Normalität zurückgegeben werden. „Was im Ohr geschädigt ist, bleibt irreversibel“, erklärt Gach, „aber wir versuchen, das mit Hörgeräten oder Implantaten auszugleichen.“

Dafür beginnt er seine Arbeit mit einer Hörprüfung. Das so genannte Hörschwellendiagramm soll zeigen, ab welcher Frequenz der Betroffene Töne wahrnehmen kann. Sobald ein Hörverlust von 30 Dezibel festgestellt wird, ist ein Hörgerät ratsam. Das Aussuchen und Anpassen des richtigen Gerätes ist die eigentliche Kunst des Berufes, meint Gach: „Wir leiden unter dem Brillensyndrom: aufsetzen und passt. Bei Hörgeräten ist das anders.“

Eine gute und ausführliche Betreuung sowie das Einstellen des Gerätes nehme rund drei bis zwölf Monate in Anspruch. Mit einer Vielzahl an Parametern, wie etwa Tonhöhen, Frequenzen und Lautstärken, kann der Hörgeräteakustiker Einstellungen per Mausklick vornehmen und die Hörqualität beeinflussen. „Faltet der Kunde ein Blatt Papier und es klingt für ihn nach Blech, muss ich nachadjustieren“, beschreibt er sein Vorgehen.

Die Arbeit sei generell sehr kundenintensiv und man erfahre viele private Geschichten. Oftmals sehe er sich als Motivator und Begleiter für seine Kunden, damit diese den Weg zurück in die Gesellschaft finden. „Bekommt jemand ein Hörimplantat unter die Kopfhaut gesetzt, sind wir danach eine Art technische Physiotherapie“, sagt der Techniker.

Qualifiziertes Personal sei deshalb immer gefragt, jünger als 25 Jahre sollten Hörgeräteakustiker aber nicht sein, findet Gach: „Leute, die Interesse am Beruf haben, brauchen eine gewisse Reife. Ein 70-jähriger Kunde wird mit einem pubertierenden Akustiker keine Freude haben.“


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