Profis für Forst, Feld und Viehstall

In Tirols Land- und Forstwirtschaft sind großteils Selbstständige tätig. Inzwischen befindet sich der primäre Sektor jedoch im Wandel. Dadurch werden nicht zuletzt auch neue Arbeitsplätze geschaffen.

Von Stefan Bradl

Tirol –„Viele Menschen unterschätzen das breite Spektrum an Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten, die der Agrarsektor bietet“, ist Evelyn Darmann, Fachbereichsleiterin für Bildung in der Landwirtschaftskammer Tirol, überzeugt. „Dabei gibt es allein 14 Lehrberufe und ein 15. im Bereich Biomasse wurde gerade ausgearbeitet.“

Verschiedene Wege führen zum Facharbeiter oder Meister. Oft gewählt wird der Besuch in einer der vier landwirtschaftlichen Fachschulen in Tirol, die auf die Tätigkeiten in Forst, Feld und Viehstall vorbereiten.

Auch im zweiten Bildungsweg kann der Facharbeiterbrief in der Land- und Forstwirtschaft erlangt werden. Gerade bei dieser Gruppe der Erwachsenen zeigt sich deutlich, dass sich das Interesse an den ‚bäuerlichen Berufen‘ verändert hat. „Früher waren es meist landwirtschaftliche Insider, die sich auf dem zweiten Bildungsweg qualifizieren wollten. Heute sitzen mehr Menschen mit unterschiedlichem Berufs- und Bildungshintergrund in den Kursen. Manche kehren nach langen Jahren fern des Betriebes doch auf den elterlichen Hof zurück, andere werden durch eine neue Beziehung motiviert.“ Das Interesse dafür werde sicherlich auch durch die Themen Selbstversorgung, Regionalität oder auch Nachhaltigkeit verstärkt geweckt. Diese buntere Mischung führe natürlich zu einem anregenden Austausch zwischen den verschiedenen Teilnehmern.

Veränderung zeigt sich aber auch in den dualen Ausbildungen. So finden sich unter den 72 aktiven Lehrbetrieben des land- und forstwirtschaftlichen Tirol mittlerweile eine Fischzucht und ein Obstbaubetrieb. Sie ergänzen die hierzulande traditionellen Bereiche Molkerei- und Käsereiwirtschaft, Pferdezucht und Forst. „Mit 70 aktiven Lehrlingen in 42 Betrieben der bei weitem größte Ausbilder ist jedoch weiterhin der Gartenbau“, betont Evelyn Darmann. „Hier gibt es auch regelmäßig offene Lehrstellen.“ Geeignet für den Beruf sei, wer Bezug zur Natur habe, Verständnis für den jahreszeitlichen Wechsel mitbringe und auf Pflanzen wie Kunden gleichermaßen eingehen könne. Damit man eine attraktive Ausbildung bieten kann, werden auch die Lehrinhalte in der Landwirtschaft regelmäßig an aktuelle Anfordernisse angepasst. Vielfach findet der Unterricht schon modularisiert statt, um so flexibel bestimmte Themen behandeln zu können.

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Das trifft erst recht auf die Meisterkurse zu. „Stärker als früher gewichtet sind zum Beispiel Marktorientierung und unternehmerische Kompetenz“, weiß Fachbereichsleiterin Darmann. „Und auch Personalführung hat einen höheren Stellenwert bekommen, da an die Stelle der großfamiliären Helfer immer öfter Mitarbeiter von außen treten.“

Diese Entwicklung bestätigt nicht zuletzt auch Sabine Platzer-Werlberger, stellvertretende Landesgeschäftsführerin des Arbeitsmarktservice – wenn auch nur in relativ geringer Zahl: „Mengenmäßig finden im primären Sektor nur relativ wenige Menschen eine Anstellung. Wir sprechen von gut 0,5% der in Tirol unselbstständig Beschäftigten. Der Anteil der Fremdarbeitskräfte ohne familiären Bezug ist allerdings im Steigen begriffen.“

Dabei hat die AMS-Expertin eine Polarisierung feststellen können: „Die angelernten Kräfte von früher werden heute teilweise von saisonalen Helfern aus den neuen Ländern der Europäischen Union ersetzt. Gleichzeitig qualifizieren sich die Tiroler auf der fachlichen Ebene weiter. Dadurch können diese dann in neuen, besseren Positionen tätig werden.“


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