Der Verbindungsfunke zündet wieder

Die Befürworter des „Brückenschlags“, der Verbindung von der Lizum in die Schlick, wittern nach der ernüchternden Bergbahnenstudie Morgenluft. BM Peer wirft Schröcksnadel nach Kritik „Kantönligeist“ vor.

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck –Das Feuer brennt wieder. Jenes in den Augen derer, die endlich den lifttechnischen Brückenschlag zwischen der Axamer Lizum und der Schlick 2000 über die Kalkkögel vollziehen wollen. Der neue Zweckoptimismus resultiert aus dem Zwischenergebnis der am Dienstag präsentierten Bergbahnenstudie für den Großraum Innsbruck.

Wie berichtet, konstatierte das Schweizer Beratungsunternehmen grischconsulta auf Basis betriebsinterner Kennzahlen von Glungezer, Patscherkofel, Muttereralmbahnen, Axamer Lizum, Rangger Köpfl und Nordkettenbahnen, dass den Aufstiegshilfen auch in naher Zukunft keine rosigen Zeiten ins Haus stehen werden. Sehr wohl aber böte sich mit dem Brückenschlag die Chance, so Studienautor Roland Zegg, das für den wirtschaftlichen Erfolg so nötige neue „Schwergewicht auf dem Markt“ zu schaffen. Dem steht aber noch die Ruhegebietsverordnung des Landes zu den Kalkkögeln und auch das Nein des grünen Koalitionspartners auf Landesebene im Wege. Zegg weiß das und führt vergleichend das Projekt Arosa-Lenzerheide über das Schutzgebiet Urdental in der Schweiz an. „Es hat zwanzig Jahre gebraucht, aber diese Verbindung wird in Betrieb gehen.“

Es verwunderte gestern also wenig, dass sich die zentralen Proponenten des Brückenschlags auf Patscherkofel-Hausherr Peter Schröcksnadel einzuschießen versuchten. Hatte selbiger doch via TT die Studie als „Unsinn“ bezeichnet, die noch dazu keine neuen Ergebnisse liefere.

„Wir und der gesamte Zentralraum können es uns nicht leisten, auf Grund von Egoismen einzelner – zugegeben sehr mächtiger – Personen wichtige Zukunftsprojekte nicht anzugehen“, sagte der Mutterer BM Hansjörg Peer. Immerhin sei Schröcksnadel selbst in den vergangenen Jahren „großzügig mit öffentlicher Unterstützung bedacht“ worden. Es läge klar auf der Hand, dass zuerst die Verbindung Mutters-Lizum und hernach ins Stubaital erst jene Potenziale auszuschöpfen in der Lage sei, die „am Ende die wirtschaftliche Zukunft der touristischen Infrastruktur auch im Großraum Innsbruck“ sicherstelle. Peer empfiehlt daher Schröcksnadel, seinen „Kantönligeist“ abzulegen. Und auch der Planungsverbandsobmann des Westlichen Mittelgebirges, Rudolf Nagl, betont, dass der Brückenschlag die einzig „sinnvolle Chance“ sei.

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Verwundert ob der Schröcksnadel’schen Attacke zeigt sich auch der Vorstand der Axamer Lizum, Reinhard Wieser, zumal „die Vertreter des Patscherkofels in keiner der Sitzungen die grischconsulta als inkompetent noch ungeeignet bezeichnet“ hätten. Obwohl Wieser festhält, dass die Studienautoren den Bergbahnen noch eine Einschätzung zu den aufgezeigten Zukunftsoptionen „schuldig“ seien, sei das Ergebnis zwar „ernüchternd, aber sachlich fundiert“. Für die Axamer Lizum stellt Wieser aber eines klar: Auch wenn die Anlagen veraltet seien, so hätten sie „bei Weitem das größte Potenzial“. Die Verbindung mit der Muttereralmbahnen sei „wirtschaftlich darstellbar“, könne aber „nicht alle Probleme lösen“. Umso mehr sei sie als Initialzündung für weitere Investitionen zu sehen. Die da heißen: rüber ins Stubai!

Als Werbetrommel für den heiß diskutierten Brückenschlag will Innsbrucks BM Christine Oppitz-Plörer die Studie aber nicht verstanden wissen: „Das wäre viel zu kurz gegriffen.“ Das Einzigartige an der Studie sei vielmehr, dass „erstmals seit Jahrzehnte alle Bahnbetreiber dazu bereit waren, ihre Zahlen offenzulegen“. Das sei auch als Wertschätzung gegenüber der in Branchenkreisen anerkannten Firma grischconsulta zu verstehen.

TVB-Obmann Karl Gostner legt hierzu nach. Die Studie habe gerade zur Verbindung Lizum-Schlick „noch keine fundierte Aussage“ getroffen. Vielmehr hätte die ARGE Brückenschlag grischconsulta diesbezüglich mit einer eigenen Prüfung beauftragt. Des Weiteren gibt Gostner ein klares Bekenntnis zum Patscherkofel ab. Die in Varianten angedachte Teilschließung „streben wir nicht an“. Vielmehr sei das definierte Ziel, dass Patscherkofel, Muttereralmbahnen und die Lizum enger zusammenarbeiten sollen – möglicherweise auch in einer Holding. Noch vor einer großen Lösung sei aber rasch „in kleinen Schritten zu denken“. So wolle man sich zwischen Muttereralm und Lizum „preislich nicht mehr unterbieten“.

Nicht aus der Ruhe lassen bringen will sich indes BM Josef Gatt aus Tulfes. Hat doch die Studie die hauseigene Glungezerbahn aufgrund schlechter Ist-Werte von allen gemeinsamen Zukunftsvarianten ausgeschlossen: „Das Problem liegt nicht beim Glungezer. Wieso soll man einen Lift zusperren, nur damit andere mehr Gäste haben?“


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