Wellness-Urlaub teuer wie nie

Der österreichische Wellnessführer Relax Guide lässt in seiner Ausgabe für 2014 kein gutes Haar an der Branche. Preise steigen, Qualität sinkt und es droht ein Streit um die Liege.

Wien –Arbeiten, stressen und dann ab in den Wellness-Urlaub. Doch um sich die Erholung leisten zu können, muss man länger arbeiten, sich doppelt stressen, um mehr Geld zu verdienen. Denn: „Die Preise in der Branche explodieren förmlich. Heuer kostete eine Nacht in einem Lilien-Hotel etwa das erste Mal durchschnittlich über 110 Euro – ein absoluter Rekordwert“, sagte Christian Werner, Herausgeber des kritischen Wellnessführers Relax Guide, anlässlich der Präsentation des Führers für 2014.

Die Ursache für die Rekordpreise liegt Werner zufolge aber „nicht an der Gier der Anbieter. Da viele Gemeinden stark überschuldet sind, wurden viele Abgaben wie Wasser und Kanalgebühren extrem erhöht“, sagte er. Die knapp kalkulierenden Hotels könnten oft gar nicht anders, als diese Mehrbelastung an die Gäste weiterzugeben.

Ganz aus der Pflicht wollte Werner die Branche nicht nehmen, denn erneut ging die Qualität der Häuser trotz der höheren Preise zum Teil erheblich zurück. „74 Hotels mussten schlechter bewertet werden als im Vorjahr“, zog der Wellness-Experte Bilanz. Und noch einen weiteren Negativrekord verzeichneten die Tester: Nicht weniger als 17 Häuser sind überhaupt aus der Bewertung geflogen, das heißt, dass sie entweder geschlossen haben oder als Hotel ohne Spa-Angebot weitergeführt werden. Nur 38 Häuser konnten besser bewertet werden als im Vorjahr, vier haben es erstmals in den Kreis der Lilien-Hotels geschafft.

Neben den hohen Preisen und den Qualitätseinbußen macht sich inzwischen auch eine Unsitte in österreichischen Wellness-Hotels breit. „Auf der Suche nach zusätzlichen Einnahmequellen öffnen immer mehr Hotels ihren Wellnessbereich für einen Bruchteil des Vollpreises untertags für externe Gäste, die gar nicht im Hotel wohnen. Das war noch vor wenigen Jahren völlig undenkbar“, sagte Werner. „Für die voll zahlenden Gäste sind Tagestouristen eine regelrechte Zumutung.“ Denn nicht nur, dass die Spa-Zonen meistens ohnedies nicht weitläufig genug sind, würden den Hotelgästen dadurch weniger Ruheliegen zur Verfügung stehen. „Der berühmt-berüchtigte Streit um eine freie Liege ist dadurch programmiert“, ärgerte sich der Herausgeber.

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

Der Trend zu Day-Spa-Gästen ist von Deutschland aus nach Österreich übergeschwappt. Dort öffnen 60 Prozent der Hotels ihren Wellnessbereich für externe Besucher. In Österreich trifft man in jedem sechsten Haus auf Tagestouristen. Da die Hotels selten damit werben, dass ihr Spa für Tagestouristen geöffnet ist, rät Werner, sich bei der Buchung zu erkundigen. „Wer einen Preis von durchschnittlich 111 Euro pro Nacht bezahlt, soll seinen Aufenthalt in aller Ruhe genießen dürfen“, so der Wellness-Experte, „schließlich geht es um Erholung.“ (APA)


Kommentieren


Schlagworte