Tiroler Jubiläum zog Wien in den Bann

150 Jahre Tirolerbund in Wien: Prominente Gratulanten trafen ein, die Wiener zückten beim prächtigen Umzug ihre Kameras.

Von Helmut Wenzel

Wien –„Was ist denn das für ein Knall, was wird da gefeiert?“ – Das haben Touristen aus England und Japan am Samstagnachmittag in der Wiener Innenstadt gefragt, als sich ein farbenprächtiger Umzug in Richtung Rathausplatz bewegte. Viele haben spontan ihre Handy-Kameras gezückt, um Tiroler und Südtiroler Musikkapellen, Schützenkompanien, Trachtenverein sowie Fahnenabordnungen zu fotografieren. Aber auch Wiener Passanten drehten sich um: „Jö schau, die Tiroler Trachtler haben Ausflug.“

Der Verein „Tirolerbund in Wien“ hatte keine Kosten und Mühen gescheut, um sein 150-jähriges Bestehen mit einem würdigen Festakt zu feiern. „Wir leben in einer Zeit, in der Mode schneller wechselt als die Jahreszeiten“, stellte Herwig Pelzer in seiner Rede vor dem Wiener Rathaus fest. „Was bleibt, sind Werte und Traditionen. Wir sind angetreten, um Tiroler Tradition hochzuhalten. Das haben wir über all die Jahre hindurch aus Überzeugung gemacht.“

Den Werten und Zielen von damals sehe sich der Tirolerbund weiterhin verpflichtet, „auch in den nächsten 150 Jahren“, hob Pelzer hervor. „Erfreulich ist, dass wir Jahr für Jahr auch viele junge Tiroler in unseren Reihen begrüßen können.“ Zahlreiche gebürtige Tiroler würden sich gerne mit ihren Landsleuten in Wien treffen – zumindest einmal in der Woche. Wenn jemand von Heimweh geplagt worden ist, habe man in geselliger Runde noch immer für rasche Abhilfe sorgen können, bemerkte der Obmann.

LH Günther Platter streute Komplimete an die Bundeshauptstadt bzw. an seinen Amtskollegen Bürgermeister Michael Häupl: „Die Zusammenarbeit hat immer gut funktioniert. Zahlreiche junge Tiroler sind hierher gekommen, um zu studieren. Viele haben dann in Wien eine beachtliche berufliche Karriere gemacht, auf die wir stolz sind.“ Zum Jubiläum des Tirolerbundes könne er nur gratulieren.

Er sei froh und dankbar, dass dieser Verein zahlreiche Tirolerinnen und Tiroler „in verschiedensten Lagen ihres Lebens“ unterstütze, betonte Tirols Landeshauptmann.

Wiens Bürgermeister und Landeshauptmann Michael Häupl zeigte sich beeindruckt über die Geschichte und Aktivitäten des Vereins. Auch er streute Rosen: „Ich kenne und schätze die Tiroler als fleißige Leute. Wo fleißig gearbeitet wird, darf auch gefeiert werden.“

Der Dritte im Bunde der Landeshauptleute, Luis Durnwalder, erinnerte an die Zeiten, als der Tirolerbund aus der Taufe gehoben worden ist: „Damals waren wir ein gemeinsames Land, seit damals hat der Tirolerbund auch unzählige Südtiroler betreut und unterstützt. Heute verschwinden Grenzen, doch der Verein bleibt weiter ein wichtiger Stützpunkt für Südtiroler in Wien.“

Der Festakt hat mit einer Messfeier in der Minoritenkirche begonnen, zelebriert vom indischen Franziskanerpater Thomas Manalil. Er kenne Tirol und Tiroler Traditionen nicht, verriet er: „Aber die Trachtenkleider sind sehr schön. Erfreulich ist das Verbindende, unser Glaube.“ Eine Schützensalve vor der Minoritenkirche habe er in dieser Form jedenfalls nicht erlebt, gestand der Seelsorger, der im Gottesdienst zahlreiche Fahnenbandpatinnen segnete.

Gesellschaftlicher Höhepunkt im Vereinsjahr ist und bleibt der Tirolerball in Wien, wie Obmann Pelzer betonte. Zuletzt hatte die Naturparkregion Kaunergrat den Ball organisiert, der am Rande der Jubiläumsfeier noch immer für Gesprächsstoff sorgte. Die Patronanz für den Tirolerball 2014 hat die Unterländer Gemeinde Angath übernommen, für 2015 ist eine Südtiroler Patronanz geplant.

Die Feierlichkeiten zum 150-Jahr-Jubiläum enden heute Sonntag mit einer Kranzniederlegung sowie einer Gottesdienstfeier im Stephansdom.


Kommentieren


Schlagworte