Nässe, Dürre, Schnee: Wetter verhagelte Bauern die Ernte

Die Schneefälle vom Freitag sind der traurige Höhepunkt einer komplett verkorksten Saison. Die Hoffnungen auf Entschädigungen vom Bund sind nur gering.

Von Marco Witting

Innsbruck –Das Schlechteste kam zum Schluss – nach einem nassen Frühjahr, Hitze und Dürre im Sommer: Schnee Mitte Oktober. Richtig viel Schnee. Für Tirols Bauern der Schlusspunkt unter ein Jahr, das zwar wettertechnisch so ziemlich alles geboten hat, sich aber in den Brieftaschen negativ auswirken wird.

Für die Obstbauern lief das Jahr lange gar so schlecht. Bis Donnerstag. Da änderte der plötzliche, massive Wintereinbruch alles – und drückte die Hagelnetze samt Bäumen und Früchten nach unten. „Existenzgefährdend“ sei die Situation, hieß es in einer ersten Reaktion. Jetzt muss gerettet werden, was noch zu retten ist.

Alle Phasen der Wetterextreme 2013 haben heuer die Maisbauern mitgemacht. „Zwei Drittel vom Mais sind noch auf dem Acker“, sagt Reinhard Egger von der Landwirtschaftskammer. Der Schnee vom Freitag sei da nicht sehr förderlich. Ganz besonders weil die Bauern versuchten, noch jeden Tag auszunutzen. Jetzt werde die Ernte deutlich erschwert. Der Schaden sei zwar teilweise durch eine Versicherung gedeckt, aber schon vor dem Wintereinbruch waren die Erträge in den Bezirken Innsbruck-Land, Imst und Schwaz rund 20 Prozent unter dem Vorjahr. In Osttirol gab es sogar ein Minus von 33 Prozent.

Ein Drittel weniger Ertrag: Das mussten auch jene Kartoffelbauern hinnehmen, die keine Bewässerung hatten. Der einzige Trost für die Bauern hier – ein höheres Preisniveau – schmerzt dagegen wieder die Konsumenten.

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Die Erträge beim Einwintern von Getreide lagen dagegen im Mittel der vergangenen Jahre. Beim Gemüseanbau gab es etwa wegen der Trockenheit größere Einbrüche bei Kürbissen und beim Brokkoli.

„Beim Grünland fehlen letztlich zwischen zehn und 20 Prozent in der Scheune“, sagt Egger. Regional – zwischen Rum und Fritzens etwa – sei es bis zu 25 Prozent. Wobei die Landwirte laut Egger stets gut beraten seien, „immer auch eine Reserve einzuplanen“. Die Natur halte sich nun mal nicht immer an Durchschnittswerte.

Gerade in der Dürreperiode des Sommers war angesichts der zu erwartenden Ernteausfälle auch immer über Entschädigungen medial diskutiert worden. Doch dies, so einige Bauern, waren wohl nur Geplänkel im Vorwahlkampf. Denn Geld hat noch keiner gesehen.

Bei der Landwirtschaftskammer Tirol gibt man zumindest an, seine eigenen Hausaufgaben gemacht zu haben. Wenn es Förderungen gibt, so Egger, dann sollen diese „zielgerichtet“ gelenkt werden. Dazu hat man sich bereits im August die exakten Niederschlagswerte besorgt und ausgewertet.

Österreichweit seien aktuell rund drei Millionen Euro im Topf. Für insgesamt 50.000 Antragsteller. Man müsse jetzt abwarten, was eine neue Regierung mit dem Thema macht, sagt der Bauernvertreter. „Ich erwarte mir keine allzu große Hilfe“, sagt Egger, der für die kommende Erntesaison einen Wunsch mit vielen Bauern teilt: „normales“ Wetter.


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